Josef Zolk - Bürgermeister a. D. der Verbandsgemeinde Flammersfeld 

 

Josef Zolk

Presseartikel mit Bezug zu Josef Zolk und eigene Pressemitteilungen:


Raiffeisens „Geheimsekretärin“ - 120. Todestag von Amalie Raiffeisen (PDF)


Josef Zolk vor 20 Jahren zum Bürgermeister gewählt

Im Juni 1999 wurde Josef Zolk zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Flammersfeld gewählt.

In seine Amtszeit fällt u.a. der Bau der Raiffeisenhalle und des Kunstrasenplatzes in Güllesheim, der Grundschule Horhausen, die Einrichtung der Oberstufe der IGS Horhausen, der Neubau der Feuerwehrhäuser in Flammersfeld und Pleckhausen sowie die Beantragung des neuen Feuerwehrhauses für die Oberlahrer Wehr, der neue Kindergarten in Rott sowie der Ausbau bzw. die Sanierung der Kindertagesstätten in Krunkel und Horhausen. Zusammen mit den Ortsgemeinden Willroth und Krunkel wurde das Industriegebiet „Am Willrother Berg" entwickelt. In seine Amtszeit fällt auch die Schließung des Freibades in der Lahrer Herrlichkeit, eine Entscheidung, die ihm nicht leicht gefallen ist, er aber aus finanziellen Gründen für unumgänglich hielt. Zolk dazu: „Das war keine leichtfertige Entscheidung und ich verstehe, dass viele damit gehadert haben. Umso wichtiger ist es für mich, dass die Schließung ein Jahr vor meiner Wiederwahl gefällt worden ist. Eine Verschiebung bis nach dem Wahltag hätte ich als unehrlich empfunden". In Hinblick auf die zum 1. Januar anstehende Fusion der Verbandsgemeinden Flammersfeld und Altenkirchen bedauert Josef Zolk, dass es ihm nicht gelungen ist, kleinere Ortsgemeinden zur Fusion bewegen zu können, denn schon 1969 hatten die Ortsbürgermeister des Amtes Flammersfeld über Fusionen in den Kirchspielen Horhausen, Flammersfeld und Oberlahr intensiv nachgedacht und vernünftige Vorschläge vorgelegt. Nun wird die neue Verbandsgemeinde   68 Ortsgemeinden haben, das wirft viele Fragen auf.

Das Archivbild zeigt Josef Zolk mit seinen beiden Vorgängern im Amt Gerd Maurer (bis 1999) und Karl Becker (bis 1989). „In den insgesamt 40 Jahren, in denen wir drei Verantwortung auf dem Flammersfelder Rathaus getragen haben, wurden viele positive Weichenstellungen vollzogen, die das Bild dieser Kommune nachhaltig geprägt haben", so Zolk.

Bild (privat) von links: Josef Zolk mit seinen Vorgängern Gerd Maurer bis 1999 und Karl Becker bis 1989.


09. November 1989

Die ZDF-Nachrichten kurz nach 19 Uhr mit der Mitteilung von Günter Schabowski „Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich." sah ich noch zu Hause in Koblenz, unmittelbar, bevor ich zum Flughafen nach Frankfurt fuhr, um mit einer Abendmaschine nach Berlin zum Kongress „40 Jahre politische Bildung in der Demokratie" der Bundeszentrale für politische Bildung zu kommen. Einordnen konnte ich diese Schabowski-Meldung zu diesem Zeitpunkt nicht.

Der Kongress tagte im Reichstagsgebäude am Brandenburger Tor und sollte sich in Vorträgen, Foren und Diskussionen mit der politischen Bildung in der Bundesrepublik und ihrem Beitrag für die Entwicklung des demokratischen Staatswesens in der Bundesrepublik beschäftigen.

Von Tegel aus versuchte ich in die Innenstadt zu kommen. Der Taxifahrer berichtete, dass er den Eindruck habe, an einigen Stellen sei die Mauer geöffnet worden, er wisse aber auch nichts Genaues. In den Radionachrichten, die wir im Auto auf der Fahrt in die Stadt hörten, überschlugen sich die Meldungen. Freude und Befürchtung, Unsicherheit und Jubel lösten sich ab. Je näher wir der Innenstadt kamen, desto stärker wurde der Verkehr, erste Trabis kamen uns geradezu als Korso entgegen, weit vor dem Kudamm war der Straßenverkehr schon gänzlich zusammengebrochen, zu Fuß suchte ich den Weg zum Hotel.

Unbekannte Menschen fielen sich in die Arme, Tränen der Freude waren überall sichtbar. Und doch war auch eine große Unsicherheit da. Wie geht es weiter, was bedeutet das alles? Was ist morgen? Überall bildeten sich Menschengruppen, überall Freude und Fragen.

Ich bezog mein Hotel um Mitternacht und machte mich auf zum Brandenburger Tor, zwischenzeitlich war der Verkehr völlig zusammengebrochen. Die Stadt war im Aufbruch. Überall Lieder wie „Dona nobis pacem" oder „Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt 'ne kleine Wanze", die die Nacht durch selbst die Motorengeräusche der Trabis übertönten. Vor der Mauer am Brandenburger Tor standen die Menschen in dichten Reihen, Menschen standen bereits auf der Mauer, die aber zwischendurch auch wieder durch die Volkspolizei geräumt wurde. Kaum hatte sich die VOPO zurückgezogen, standen wieder Menschen auf der Mauer. Auch die zwischendurch eingesetzten Wasserwerfer der Grenzpolizisten waren nur vorübergehend „erfolgreich". Zu meiner Freude traf ich Kollegen aus der „politischen Bildung", gemeinsam und mit Unterstützung wildfremder Menschen „besetzten" auch wir die Mauer.

Die Nacht verging im Fluge, der Kongress begann mit der Eröffnungsrede, danach zogen viele von uns es vor, politische Bildung live zu erleben und uns nicht vorgefertigten Referaten aus zu setzen, die die Lebenswirklichkeit nun wahrlich nicht mehr widerspiegeln konnten. So erlebten wir, wie am 10. November 1989 immer mehr DDR-Bürger zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den Trabis nach Westberlin kamen, Gespräche zeigten die Freude, aber auch die Unsicherheit, wie es weitergeht. Angst und Jubel nebeneinander. Gefühlswelten brachen auf, überall Diskussionen, überall Hoffnung und Bangen, Zuversicht und Ratlosigkeit.

Zwischen all den Begegnungen immer wieder auch die Teilnahme am Kongress, die Referenten konnten einem leidtun.

Inzwischen zeigten sich die VOPOs nicht mehr auf der Mauer, sie war fest in der Hand der Bürger, Mauerspechte schlugen Löcher in den „Antifaschistischen Schutzwall", der seine Funktion über Nacht verloren hatte.

Viele Westberliner und Bundesdeutsche nutzten die Möglichkeit, nach Ostberlin zu gehen, mir selbst fehlte nach einer Einreisewarnung für mich durch das Bundesinnenministerium der Mut. Erst im Dezember reiste ich dann in das Gebiet der DDR ein.

Am 10. November 1989 nahm ich an der Kundgebung am Schöneberger Rathaus, zu der der Westberliner Senat aufgerufen hatte, teil. Helmut Kohl, der seinen Staatsbesuch in Polen für diesen Besuch unterbrochen hatte, und Willy Brandt sprachen. Eröffnet wurde die überfüllte Kundgebung vom Regierenden Bürgermeister Walter Momper. Gut erinnere ich mich daran, wie aus vielen DDR-Autos Fähnchen und Trillerpfeifen verteilt wurden. Die Trillerpfeifen fanden ihren Einsatz vor allem bei der Rede von Bundeskanzler Kohl.

Am 11. November 1989 flog ich zurück. Das Zusammentreffen der „politischen Bildner" sollte bald darauf an vielen Stellen Früchte tragen. Mit einigen Kollegen, die sich in diesen Novembertagen in Berlin trafen, haben wir dann einen Grundkurs Politik weiterentwickelt, der in mehreren Ländern der dann ehemaligen DDR zum erfolgreichen Einsatz kam.

Insgesamt: Ich war mir sicher, eine Zäsur der Geschichte direkt miterlebt zu haben. Immer, wenn ich am Brandenburger Tor stehe, erinnere ich mich an diese Novembertage.

Josef Zolk
01.11.2017

 


Die UNESCO-Urkunde zur Aufnahme der Genossenschaftsidee in die Repräsentative Liste des Kulturellen Erbes der Menschheit
Josef Zolk ist einer der Autoren der Bewerbung und war bei der Entscheidung in Adis Abeba vor Ort.


„Genossenschaftsidee" gehört zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit

Erster deutscher Antrag auf Aufnahme in die „Repräsentative Liste" erfolgreich

Die Genossenschaftsidee gehört zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Dies hat das Internationale Komitee für die Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO in Ad- dis Abeba bekanntgegeben. Es handelt sich um den ersten Vorschlag aus Deutschland zur Aufnahme in die „Repräsentative Liste". 2015 hatte die deutsche UNESCO-Vertretung ihre erste internationale Nominierung mit dem genauen Titel „Idee und Praxis der Organisation von gemeinsamen Interessen in Genossenschaften" eingereicht.

Die Aufnahme ist eine Würdigung des Erbes von Raiffeisen und Schulze-Delitzsch

Zu der Entscheidung erklärt Josef Zolk, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Fried- rich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft: „Wir sind hocherfreut darüber und dankbar, dass auf diese Weise die Väter der Genossenschaften in Deutschland, Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen, eine Würdigung erhalten - für die Grundlegung einer Idee, die heute mehr denn je von großer Relevanz ist. Allein in Deutschland sind über 20 Millionen Menschen in Genossenschaften organisiert."

Dr. Manfred Wilde vom Vorstand der Deutschen Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft meint: „Mit der Aufnahme wird gleichermaßen das Erbe von Raiffeisen und Schultze-De- litzsch gewürdigt: Das Konzept eines allen Interessenten offen stehenden, überkonfessio- nellen Modells der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung auf Grundlage von Kooperationen."

Raiffeisen und Schulze-Delitzsch schufen Grundlagen für Genossenschaftsidee

Die Deutsche Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft und die Deutsche Friedrich-Wilhelm Raiffeisen-Gesellschaft hatten die Nominierung der Genossenschaftsidee für die Aufnahme in die Repräsentative Liste gemeinsam vorangetrieben. Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen schufen Mitte des 19. Jahrhunderts entscheidende Grundlagen für die Genossenschaftsidee, die heute weltweit wirkt, und gründeten die ersten genos- senschaftlichen Organisationen moderner Prägung in Deutschland.

Die Repräsentative Liste soll eine bessere Sichtbarkeit des Immateriellen Kulturerbes ge- währleisten, das Bewusstsein für seine Bedeutung stärken und den Dialog bei gleichzeitiger Achtung der kulturellen Vielfalt fördern. Sie verzeichnet vielfältige immaterielle kulturelle Aus- drucksformen aus allen Weltregionen. Dem 2006 in Kraft getretenen UNESCO-Übereinkom- men zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes war Deutschland im Jahr 2013 beigetreten.


Lärmschutz im Mittelrheintal - Bahn will in Leutesdorf Pilotanlage abbauen

Völlig falsches Signal

Die Bahn stellt die Weichen falsch und gibt ein falsches Signal, wenn sie in Leutesdorf/Mittelrheintal die Pilotanlage zur radgenauen Lärmmessung beim Schienenverkehr abbauen wird, wie die DBAG ankündigt. Diese Anlage ist doch deswegen installiert worden, um möglichst genaue Daten zu erhalten, und das war allerhöchste Zeit, um ausreichend solide Kenntnisse zur Geräuschentwicklung und Schienenbelastung zu erhalten. Wer die Situation im Rheintal kennt, weiß wie sehr die Menschen unter der immer stärker werdenden Lärmbelästigung leiden. Und jetzt hat gerade der Bund 20 Millionen Euro für neue Untersuchungsstellen bereitgestellt, und die Bahn will an einer der am höchsten belasteten Stellen die Messgeräte abbauen. Das ist ein völlig falsches Signal. Vor über 20 Jahren haben wir in Leutesdorf die Bürgerinitiative gegen  Bahnlärm gegründet, die glücklicherweise Nachahmer im gesamten Mittelrheintag gefunden hat. Von Anfang an war es sehr schwierig, der Bahn die Augen und Ohren für die schlimme und gesundheitsgefährdende Realität gerade im Mittelrheintal zu öffnen. Wir brauchen diese Stelle zur Erfassung des Lärmpegels. Die Bahn will sich dem  verschließen. Das ist ein Affront gegen die Menschen im Mittelrheintal und ein falsches Signal.

Josef Zolk, heute Güllesheim

Gründungsvorsitzender der Bürgerinitiative gegen Bahnlärm in Leutesdorf


Interview mit dem Ak-Kurier zur UNESCO-Entscheidung vom 30.11.2016 in Addis Ababa

Ak-Kurier: Sie waren in Addis Ababa bei der UNESCO-Konferenz, bei der von der UNESCO die Genossenschaftsidee in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Wie lange dauerten die Vorbereitungen?

Vorweg: Ich habe Erfahrungen machen dürfen, die ich nicht missen möchte. Am Ende der ganzen Geschichte bin ich glücklich und dankbar.

Wir haben fristgerecht zum 30. November 2013 die Bewerbung für die Deutsche Liste eingereicht, die Arbeiten dazu hatten im Sommer 2013 begonnen. Die Arbeitssitzungen fanden in Dresden, Delitzsch, Flammersfeld und Weyerbusch statt. Am 12. Dezember 2014, das war zufälligerweise der Tag meiner Verabschiedung als Bürgermeister, wurde die Entscheidung bekannt, dass die Genossenschaftsidee durch die Kultusministerkonferenz in das bundesweite deutsche Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen und als erste und bisher einzige deutsche Bewerbung für die UNESCO von der Bundesrepublik Deutschland nominiert wurde. Die Arbeit ging deswegen sofort weiter und die zusätzlich neuen Bewerbungsunterlagen incl. Bilder und Film haben wir dann am 16. März 2015 in Berlin dem Auswärtigen Amt und dem deutschen UNESCO-Büro fristgerecht in englischer und deutscher Sprache überreicht. Die Schulze-Delitzsch-Gesellschaft und die Raiffeisen-Gesellschaft haben die Anträge jeweils gemeinsam erarbeitet und in den Gremien beschlossen. Aus dieser Kooperation ist zwischen dem Oberbürgermeister Dr. Manfred Wilde aus Delitzsch und mir eine wunderbare Freundschaft entstanden, sie ist der Garant unseres Erfolges in Addis Ababa gewesen, wobei wir beide bei der Erarbeitung und Formulierung der Bewerbungsunterlagen ein tiefes Vertrauen unserer beiden Gesellschaften hatten. Sonst hätten wir nicht so agieren und den Erfolg in Äthiopien erreichen können. 

Ak-Kurier: Wie ist die Organisationsform der Raiffeisen- bzw. der Schulze-Delitzsch-Gesellschaft?

Beide Organisationen sind ausdrücklich ehrenamtlich organisiert, also haben wir auch ehrenamtlich gearbeitet und Raiffeisen geradezu direkt erlebt und auch gelebt: „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele". Wir haben in der Vorbereitung unkompliziert zusammengearbeitet, die elektronischen Medien intensiv genutzt und uns partnerschaftlich ergänzt.

Ak-Kurier: Wie war die Zusammenarbeit in Äthiopien?

Eine gute Kooperation wurde in den Zeiten der beiden Bewerbungen durchgehend mit dem deutschen UNESCO-Büro in Berlin  und Bonn gepflegt, da kann ich  nur ganz herzlichen Dank sagen und in Addis Ababa vor Ort wurde diese Zusammenarbeit sachlich und menschlich noch intensiver, bereichert  durch den deutschen UNESCO-Botschafter, der aus Paris kam, und den Delegationsleiter vom Auswärtigen Amt. Wir waren ein tolles Team, sonst wären wir nicht erfolgreich gewesen, denn es war doch ein schwieriger Weg. Ich bin und bleibe dankbar, einen Anteil an dieser Arbeit zu haben.

AK-Kurier: Wie muss man sich eine derartige Konferenz vorstellen?

Die Tagung war in den Hallen der UNO, eigentlich ein Stadtbezirk für sich. Vertreter aus 173 Staaten und von vielen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) nahmen an der Tagung teil, die vom äthiopischen Staatspräsidenten, der Kulturministerin und den UNESCO-Verantwortlichen eröffnet wurde. Stimmberechtigt waren die 24 Mitglieder des Zwischenstaatlichen Ausschusses,  erfolgreich war eine Bewerbung nur, wenn alle Staaten zugestimmt haben, also Einstimmigkeit war Voraussetzung für die Anerkennung. Fast eine Stunde wurde über unsere Bewerbung diskutiert, nachdem eine Expertenkommission unseren Antrag durchaus kritisch gesehen und nicht  zugestimmt hatte. Diese Sicht wurde aber von den stimmberechtigten Staaten überhaupt nicht geteilt, rund die Hälfte der stimmberechtigten Delegationen meldete sich zu Wort, alle sprachen sich ausnahmslos für unseren  Antrag aus, teilweise mit sehr überzeugenden Argumenten. Es war beeindruckend zu erleben, dass weltweit die Genossenschaftsidee geschätzt, ja gewollt wird. Genossenschaft als Wertegemeinschaft mit den Zielen soziale Gerechtigkeit, Zusammenhalt, Solidarität, Partizipation, demokratische Strukturen - ein weltweiter Wunsch, das wurde sehr deutlich. Wir erlebten eine Unterstützung quer durch die Kontinente. Dieses Gefühl ist nicht zu beschreiben.

Ak-Kurier: Wie haben Sie Addis Ababa und die Tagung erlebt?

Wir sind immer noch beeindruckt von der Gastfreundschaft, ich bin dankbar, das alles erlebt zu haben. Wir wurden unterstützt, wo es nur ging. Vom Land selbst habe ich natürlich nicht sehr viel  gesehen, wir waren in der Hauptstadt, dort haben wir das Nationalmuseum mit „Lucy" ( das 1974 in Äthiopien entdeckte 2,4 Millionen alte Teilskelett einer Frau) und den größten afrikanischen Markt besucht und am ersten Tag gleich einen Gottesdienst in der äthiopisch-orthodoxen Dreifaltigkeits-Kathedrale miterlebt. Höhepunkt war hier der persönliche Segen der Geistlichen durch Handauflegung, der auch uns gespendet wurde. Wir sahen dies als sehr positiven Auftakt für die UNESCO-Tagung. Die Tagung selbst war natürlich durch die Beratungen geprägt, besonders eindrucksvoll empfanden wir die Freude, als der äthiopische Antrag , das Gada-System ins immaterielle Kulturerbe aufzunehmen, beschlossen war.  Da war Volksfest im Kongress-Zentrum. Gada ist ein traditionelles sozio-politisches Herrschaftssystem der Volksgruppe der Oromo in Äthiopien. Es regelt die politischen, ökonomischen, sozialen und religiösen Aktivitäten der Menschen. Das Gada-System fördert den Zusammenhalt der Gemeinschaft. Die Vertreter der Oromo jubelten, tanzten und zeigten in ihrer weißen Stammestracht ihre ganze Rührung und Freude, die auf uns alle übersprang.

Ak-Kurier: Was bedeutet diese Entscheidung für die Region?

Ich hoffe, dass auch regional das Bewusstsein und das Wissen über die Genossenschaftsidee wieder steigen. Wer erlebt hat, wie wichtig diese Idee weltweit ist, kann nur hoffen, dass bei uns die Grundwerte nicht vergessen werden. Auch würde ich mir die Gründung weiterer Genossenschaften zum Beispiel im Energie- oder Sozialbereich wünschen.  Touristisch erwarten wir natürlich mehr Besucher, wenn das Raiffeisen-Museum in Hamm saniert  und im Raiffeisenhaus in Flammersfeld der UNESCO-Raum eingerichtet ist. Vor allem erwarten wir, dass das Raiffeisenjahr 2018 unter dem Motto „Mensch Raiffeisen. Starke Idee!" Besucher aus nah und fern an die Ursprungsorte der Genossenschaftsidee bringen wird.


22. Juni 2016

Raiffeisen-Gesellschaft auf dem Deutschen Raiffeisentag vertreten  

Die Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft war mit ihrem neuen Informationsstand auf dem Deutschenraiffeisentag in Berlin vertreten. Thema  des  Wirtschaftsforums war "Europa und Märkte in Turbulenzen - Jetzt die richtigen Weichen stellen". Dazu referierte neben genossenschaftlichen Unternehmern Manfred Weber, Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. Eindrucksvoll wurde in dieser Veranstaltung   herausgestellt, welche wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, Marktperspektiven und Handlungsoptionen die Genossenschaften für den Agrarhandel, die Milchwirtschaft sowie die Vieh- und Fleischwirtschaft sehen und welche Probleme der Agrarwirtschaft auf den Nägeln brennen. Am Informationsstand informierte die Raiffeisen-Gesellschaft über Ihre Arbeit und die Planungen für das Raiffeisenjahr 2018.

Am Raiffeisen-Informationsstand in Berlin im Gespräch (von links): , Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisen-Verbandes (DRV), Josef Zolk, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen-Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft, Manfred Weber MdEP, Werner Böhnke, Vorsitzender der Deutschen Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft.


Mainz, 12. Dezember .2014

Immaterielles Kulturerbe:

Genossenschaftsidee wird erste deutsche UNESCO-Nominierung

Als „großen Erfolg und starkes Signal für eine solidarische Gesellschaft" bewertet die rheinland-pfälzische Kulturministerin Vera Reiß die Entscheidung der 348. Kultusministerkonferenz (KMK), die „Genossenschaftsidee" als erste deutsche Nominierung für die internationale Liste des immateriellen Kulturerbes (IKE) bei der UNESCO vorzulegen. „Das Konzept der Genossenschaft hat nicht nur die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung weit über Deutschland hinaus wesentlich beeinflusst, es hat auch für alle Menschen ein Mehr an Freiheit und Selbstbestimmung gebracht. Dass für die erste Nominierung als Immaterielles Kulturerbe aus Deutschland 25 Jahre nach Überwindung der deutschen Teilung ausgerechnet ein Vorschlag ausgewählt wurde, der auf eine gemeinsame Bewerbung aus Rheinland-Pfalz und Sachsen zurückgeht, ist dabei fast schon symbolisch und besonders erfreulich", sagte Vera Reiß.

Die „Genossenschaftsidee" wurde ursprünglich gemeinsam von der Deutschen Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft mit Sitz im rheinland-pfälzischen Hachenburg und von der Deutschen Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft aus Sachsen als immaterielles Kulturerbe vorgeschlagen. Ziel ist, die von Wilhelm Raiffeisen und Schulze-Delitzsch bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erdachte Form einer bürgerlichen Selbsthilfe auf der Grundlage von Kooperation, Solidarität und Verantwortung stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die auf soziale, kulturelle und ökonomische Partizipation setzende Genossenschaft erfreut sich aufgrund ihrer krisenfesten Konzeption gerade in jüngster Vergangenheit einer regelrechten Renaissance. So hatten die Vereinten Nationen das Jahr 2012 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften ausgerufen. Ab März des kommenden Jahres kann diese deutsche Nominierung auch formal beim Welterbezentrum eingereicht werden. Frühestens Ende 2016 entscheidet dann die UNESCO darüber, ob die Genossenschaftsidee tatsächlich in die internationale Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wird. Die Aufnahme in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes soll ein Zeichen der weltweiten Anerkennung für die jeweils ausgezeichnete Kulturtechnik oder Idee sein. Bei einem Erfolg stünde die „Genossenschaftsidee" in einer Reihe mit beispielsweise mit dem argentinischen Tango, dem portugiesischen Fado oder der chinesischen Kalligraphie als herausgehobenes Kulturerbe der Menschheit.

Mehr Informationen zu Friedrich-Wilhelm Raiffeisen und der Genossenschaftsidee im Internet unter anderem unter: http://www.raiffeisengesellschaft.de

Zu den 27 Anträgen, die im ersten nationalen Auswahlzyklus für das neue bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes ausgewählt wurden, zählt neben der von Rheinland-Pfalz und Sachsen ausgehenden Bewerbung der „Genossenschaftsidee" auch die in Rheinland-Pfalz und Hessen auf den Weg gebrachte Bewerbung für die „Morsetelegrafie". Mit ihrer Auswahl folgte die KMK uneingeschränkt den Empfehlungen des ehrenamtlichen Expertenkomitees bei der Deutschen UNESCO-Kommission. Die ebenfalls von Rheinland-Pfalz dafür eingereichten Vorschläge „Satire" und die „Kultur des Westerwälder Töpferhandwerks" schafften den Sprung in das bundesweite Verzeichnis auf Anhieb nicht.

Die „Morsetelegrafie" ist ursprünglich aus zwei zunächst unabhängig voneinander ins Auswahlverfahren gestarteten Bewerbungen hervorgegangen. Aufgrund der inhaltlichen Nähe fanden sich der Deutsche Amateur-Radio-Club (DARC) mit Sitz in Baunatal (Hessen) sowie die Interessengruppe Kulturerbe Morsetelegrafie (IKM) aus dem rheinland-pfälzischen Haßloch allerdings - nach einer leidenschaftlich geführten Phase der Kompromissfindung - schließlich zum Arbeitskreis Kulturerbe Morsetelegrafie (AKM) zusammen. Dem letztendlich formulierten Antrag geht es in erster Linie darum, die Kenntnisse in der Morsetelegrafie, die nach ihrer weltweiten Bedeutung als verbreitetste Langstreckenkommunikationsform im 19. und 20.Jahrhundert heute nur noch bei Amateurfunkern zu finden sind, auch für künftige Generationen zu erhalten. Kulturministerin Vera Reiß begrüßte die Aufnahme der Morsetelegrafie in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes: „Die Morsetelegrafie war und ist eine internationale kulturelle Ausdrucksform, die trotz ihrer großen Bedeutung in der Vergangenheit angesichts der modernen Kommunikationswege vom Aussterben bedroht ist. Eine Anerkennung als immaterielles Kulturerbe ist für diese doch recht anspruchsvolle Fertigkeit, die die Welt verändert hat, auch angemessen."
Das 2003 unterzeichnete UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes fördert und erhält in allen Weltregionen überliefertes Wissen und Können sowie Alltagskulturen. Damit hat es - anders als das klassische „materielle" UNESCO-Welterbe mit seinen Kategorien Weltkulturerbe und Weltnaturerbe - kulturelle Ausdrucksformen wie Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturheilkunde und Handwerkstechniken zum Gegenstand.

Deutschland ist seit 2013 Vertragsstaat und hat nun mit dem Beschluss der KMK und den ersten Einträgen in das bundesweite Verzeichnis seinen ersten nationalen Auswahlzyklus zum Abschluss gebracht. Im kommenden Jahr wird ein zweites, ebenfalls auf zwei Jahre ausgelegtes Bewerbungsverfahren folgen. Die Erstellung des bundesweiten Verzeichnisses ist eine Bestandsaufnahme kultureller Traditionen in Deutschland. Die Aufnahme in diese bundesweite Liste soll ein allgemein sichtbares Zeichen öffentlicher Anerkennung für die jeweiligen kulturellen Ausdrucksformen, Ideen und Konzepte sowie deren Schöpfer und Vermittler sein.


MINISTERIUM FÜR BILDUNG, WISSENSCHAFT, WEITERBILDUNG UND KULTUR
Verantwortlich (i.S.d.P.)
Mainz, 12.12.2014
Wolf-Jürgen Karle
Pressesprecher
Telefon 06131 16-4597
Telefax 06131 16-2957
E-Mail presse@mbwwk.rlp.de
Mittlere Bleiche 61
55116 Mainz


27 Kulturformen ins deutsche Verzeichnis des immateriellen

Kulturerbes aufgenommen

Genossenschaftsidee wird der UNESCO als erste internationale Nominierung

vorgeschlagen

Deutschland nimmt 27 Traditionen und Wissensformen in sein neues bundesweites Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes auf und setzt damit das entsprechende UNESCO-Übereinkommen um. Zu den lebendigen Traditionen, die die Kriterien erfüllen, zählen zum Beispiel das Chorsingen, die Morsetelegrafie, die Flößerei und die Orgelbautradition.
Außerdem nominierten die Experten aus den 27 Kulturformen die Genossenschaftsidee für die internationale „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit".
Die Kultusministerkonferenz unter Leitung der Präsidentin, Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann, und die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, haben am 11. Dezember 2014 die Empfehlungen eines unabhängigen Expertenkomitees bestätigt.

„Das bundesweite Verzeichnis ist ein Spiegelbild der kulturellen Vielfalt in Deutschland. Und es macht gleichzeitig deutlich, mit welchem großartigen Engagement die Zivilgesellschaft traditionelle kulturelle Bräuche und Techniken bis heute pflegt, modern interpretiert und an nachfolgende Generationen weitergibt", sagte KMK-Präsidentin Sylvia Löhrmann.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters betonte: „Das immaterielle kulturelle Erbe steht für unsere lebendige Alltagskultur. Sie ist Ausdruck der kulturellen Vielfalt in Deutschland und soll dazu beitragen, dass gelebte Traditionen, die das Selbstverständnis der Kulturnation Deutschland prägen, erhalten, fortgeführt und weiterentwickelt werden. Auch für zukünftige Generationen wird durch eine Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis das öffentliche Bewusstsein für diese Traditionen gestärkt."
Deutschland wird seine erste Nominierung bei der UNESCO im März 2015 einreichen. Die Aufnahme der Genossenschaftsidee würde der internationalen Vielfalt des immateriellen Kulturerbes eine neue Facette hinzufügen. Bislang ist eine solche Form der gesellschaftlichen Selbstorganisation auf den UNESCO-Listen nicht vertreten. Die Genossenschaftsidee wurde gemeinsam von Gruppen aus Rheinland-Pfalz und Sachsen vorgeschlagen und mit Empfehlungen beider Länder weitergeleitet. Insgesamt waren 83 Traditionen und
Wissensformen nach einer Auswertung durch die Bundesländer in der engeren Wahl. Zu den ersten Aufnahmen in Deutschland gehören auch regionale Bräuche wie die Lindenkirchweih in Limmersdorf (Franken), das friesische Biikebrennen und der rheinische Karneval.
Das Expertenkomitee bei der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) bewertete die 83 Vorschläge anhand fachlicher Kriterien. Neben den 27 aufgenommenen Kulturformen befinden sich 22 weitere Vorschläge noch im Verfahren. Davon sind 13 wegen fehlender Informationen zurückgestellt worden, 9 Anträge liegen für ein Register „Guter Praxisbeispiele" vor, mit denen sich das Expertenkomitee 2015 befassen wird. 34 Vorschläge wurden nicht zur Aufnahme ins bundesweite Verzeichnis empfohlen.
Alle 27 Gruppen, die ab sofort mit ihrer Tradition oder Wissensform im bundesweiten Verzeichnis vertreten sind, können fortan für ihre nicht-kommerzielle Arbeit ein Logo nutzen.
Es steht für das Motto der Konvention in Deutschland: „Wissen. Können. Weitergeben." Die nächste Bewerbungsrunde für das bundesweite Verzeichnis startet im Frühjahr 2015.

27 Aufnahmen in das bundesweite Verzeichnis:

  • Chormusik in deutschen Amateurchören (länderübergreifend, verantwortlich Nordrhein-Westfalen)
  • Sächsische Knabenchöre (Sachsen)
  • Singen der Lieder der deutschen Arbeiterbewegung (länderübergreifend, verantwortlich Nordrhein-Westfalen)
  • Moderner Tanz - Stilformen und Vermittlungsformen der Rhythmus- und Ausdruckstanzbewegung(länderübergreifend, verantwortlich Baden-Württemberg)
  • Deutsche Theater- und Orchesterlandschaft (länderübergreifend, verantwortlich Nordrhein-Westfalen)
  • Niederdeutsches Theater (länderübergreifend, verantwortlich Niedersachsen)
  • Passionsspiele Oberammergau (Bayern)
  • Peter-und-Paul-Fest Bretten (Baden-Württemberg)
  • Malchower Volksfest (Mecklenburg-Vorpommern)
  • Schwäbisch-Alemannische Fastnacht (Baden-Württemberg)
  • Rheinischer Karneval mit all seinen lokalen Varianten (Nordrhein-Westfalen)
  • Falknerei (länderübergreifend, verantwortlich Nordrhein-Westfalen)
  • Gesellschaftliche Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben im Jahreslauf (länderübergreifend, verantwortlich Sachsen)
  • Biikebrennen (Schleswig-Holstein)
  • Lindenkirchweih Limmersdorf (Bayern)
  • Auseinandersetzung mit dem Rattenfänger von Hameln (Niedersachsen)
  • Salzwirker-Brüderschaft im Thale zu Halle (Sachsen-Anhalt)
  • Genossenschaftsidee (länderübergreifend, verantwortlich Rheinland-Pfalz)
  • Deutsche Brotkultur (länderübergreifend, verantwortlich Berlin)
  • Finkenmanöver im Harz (Sachsen-Anhalt)
  • Flößerei (länderübergreifend, verantwortlich Bremen)
  • Morsetelegrafie (länderübergreifend, verantwortlich Rheinland-Pfalz)
  • Orgelbau und Orgelmusik (länderübergreifend, verantwortlich Baden-Württemberg)
  • Köhlerhandwerk und Teerschwelerei (länderübergreifend, verantwortlich Sachsen)
  • Vogtländischer Musikinstrumentenbau in Markneukirchen und Umgebung (Sachsen)
  • Reetdachdecker-Handwerk (Mecklenburg-Vorpommern)
  • Handwerksgesellenwanderschaft Walz (länderübergreifend, verantwortlich Baden-Württemberg)

Seit 2003 unterstützt die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt von Kulturformen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Mehr als 350 Bräuche, Darstellungskünste, Handwerkstechniken und Naturwissen aus aller Welt stehen derzeit auf den drei UNESCO-Listen, darunter der Tango aus Argentinien und Uruguay, die traditionelle chinesische Medizin und die italienische Geigenbaukunst. Bis heute sind 161 Staaten der UNESCO-Konvention zum immateriellen Kulturerbe beigetreten.
Deutschland ist seit 2013 Vertragsstaat. Die Konvention sieht vor, dass jedes Beitrittsland zunächst ein nationales Verzeichnis erstellt. Zum immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Wichtig ist, dass die Tradition oder der Brauch bereits über Generationen betrieben werden und in ihrer Ausübung auch in Zukunft gesichert sind.



Kontaktdaten Deutsche UNESCO-Kommission e.V.
Deutsche UNESCO-Kommission e.V.
Ansprechpartner: Benjamin Hanke
Geschäftsstelle Immaterielles Kulturerbe
Fachbereich Kultur, Memory of the World
Telefon: +49-30-2065819 11
E-Mail: hanke@unesco.de

Kontaktdaten Genossenschaften:
Deutsche Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft e. V.
Ansprechpartner: Dr. Manfred Wilde
Telefon: 034202 67100 / 0173 3780541
Telefon: 034202 63864
Kreuzgasse 10
04509 Delitzsch
E-Mail: schulze-delitzsch-haus@t-online.de

Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft e. V.
Ansprechpartner: Josef Zolk
Telefon: 02685 809115 / 0151 16762470
Neumarkt 1-5
57627 Hachenburg
Telefon: 02662 961 220
E-Mail: info@raiffeisen-gesellschaft.de

Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland
Pressemitteilung Presse, Öffentlichkeit, Veranstaltungen
Sekretariat der Kultusministerkonferenz
Taubenstraße 10 · 10117 Berlin
Pressesprecher: Torsten Heil
Tel.: 030 25418-462 · Fax: 030 25418-452
torsten.heil@kmk.org
www.kmk.org
Graurheindorfer Str. 157 · 53117 Bonn
Öffentlichkeitsarbeit: Andreas Schmitz
Tel.: 0228 501-611 · Fax: 0228 501-763
andreas.schmitz@kmk.org

Gemeinsame Pressemitteilung von KMK und BKM und DUK



Liebe Bürgerinnen und Bürger in der Verbandsgemeinde Flammersfeld, sehr geehrte Damen und Herren,

nach über 15 Jahren als Bürgermeister unserer Verbandsgemeinde scheide  ich nun aus dem aktiven Dienst aus und bin ab dem 1. Januar 2015 im  Ruhestand. Das nehme ich zum Anlass, hier zu schreiben. Sie können sicher sein, ich mache jetzt keine Bilanz von „guten Taten".  Aber ich kann sagen, mir hat die Bürgermeistertätigkeit in unserer  Verbandsgemeinde viel Freude bereitet. Meine Kandidatur habe ich nie  bereut. Viele Menschen habe ich persönlich kennenlernen dürfen, viele  Begegnungen sind mir in guter Erinnerung. Dankbar bin ich für viele  Ermutigungen und Hinweise. Dankbar bin ich auch für kritische  Positionen. Sie halfen oft, eigene Positionen zu bedenken und zu  überprüfen. Natürlich steht ein Bürgermeister im öffentlichen Interesse.  Aber ohne die gute Zusammenarbeit mit den Beigeordneten, den Fraktionen  im Verbandsgemeinderat, den Ortsgemeinden, der Kreisverwaltung und  vielen Ministerien bzw. Landesbehörden wäre vieles nicht möglich  gewesen, was in den letzten Jahren umgesetzt werden konnte. Die  überparteiliche Zusammenarbeit und das Wahrnehmen der gemeinsamen  Verantwortung vor Ort ist das, was ich als eigentlichen Gewinn für  unsere Verbandsgemeinde sehe. In den Ausschüssen haben wir oft lange und  intensiv diskutiert, nach Lösungen gesucht und diese meist gemeinsam  gefunden, um dann eine breite Mehrheit im Verbandsgemeinderat zu haben.  Das alles wäre nicht möglich gewesen, ohne das Engagement und den  Sachverstand in der Verwaltung. Deswegen sage ich ausdrücklichen Dank  den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rathaus und den ausgegliederten  Dienststellen. Auch rathausintern haben wir oft um Lösungen gerungen,  bevor wir in die Diskussion mit den Gremien gingen. Stellvertretend  danke ich neben den Abteilungsleitern gerne meinem langjährigen  Büroleiter Eugen Schmidt und meiner Sekretärin Erika Peter. Sie waren  wie andere großartige Kollegen und konnten immer besser mit meiner  Ungeduld umgehen. Sie waren aber auch Ansprechpartner, wenn die Luft mal  dünn wurde. Diese menschliche Hilfe hat gutgetan. Bürgernähe im Rathaus war mir ein großes Anliegen. Vor Gesprächen -  manchmal auch schwierigen - habe ich mich nie gedrückt. Natürlich waren  nicht alle Wünsche zu erfüllen, denn Recht und Gesetz gelten auch dann,  wenn man für seine Ziele den Bürgermeister zu überzeugen versucht. Das  habe ich immer wieder auch gesagt. So fühlten verständlicherweise immer  wieder Menschen, dass ich ihnen auf die Füsse getreten sei. Ich hoffe  aber, dass die kleinen Zettel, die ich montags oft mit ins Büro brachte,  auch unbürokratische Wege ebneten. Denn den Amtsschimmel habe ich immer  mehr als „Schimmel" denn als „Amt" verstanden. Aber Schimmel kann  hartnäckig sein, wie wir wissen. Alle, denen ich aus ihrer Sicht Unrecht getan habe, bitte ich um  Entschuldigung. Bösartig war dies nie gemeint. Aber in der Demokratie  ist Freude und Engagement in der Diskussion die Grundlage der  Entscheidungsfindung. Und einer Diskussion stelle ich mich gern,  bekanntermaßen auch mit Engagement. Danken möchte ich allen, die ehrenamtlich arbeiten. Dieses ehrenamtliche  Engagement stellt einen großen Reichtum für unsere Region dar. Deswegen  ermuntere ich alle, sich am gesellschaftlichen Leben aktiv zu  beteiligen. Ich bin überzeugt von dem Satz: „Ohne Ehrenamt ist kein  Staat zu machen". Am Herzen liegt mir die interkommunale Kooperation. So bin ich froh,  dass wir in der Raiffeisenregion mit Dierdorf, Puderbach und Rengsdorf  als Leader-Region im Raiffeisenland die Zusammenarbeit fortführen  wollen. Sehr gut wäre es, wenn diese Region wieder vom Land in das  Förderprogramm aufgenommen würde. Meinem Nachfolger Ottmar Fuchs wünsche ich eine gute und erfolgreiche  Zeit im Flammersfelder Rathaus. Ich bin sicher, dass er insgesamt gute  Kolleginnen und Kollegen antrifft, die ihn unterstützen wollen. Ich freue mich als Ruheständler auf meine ehrenamtlichen Tätigkeiten im  sozialen Bereich. Gern arbeite ich aber auch als Leiter des  Raiffeisenhauses in Flammersfeld weiter und ich freue mich sehr, dass  die Deutsche UNESCO-Kommission den Antrag auf Anerkennung der  Genossenschaftsidee als immaterielles Kulturerbe angenommen hat. Die  verantwortliche Mitarbeit an diesem Antrag zusammen mit den Kollegen aus  Delitzsch bleibt in meiner guten Erinnerung. Gestatten Sie mir am Schluss eine persönliche Bemerkung: Ohne die große  Unterstützung meiner Frau wäre manches Engagement nicht möglich gewesen.  Deswegen an dieser Stelle: Vielen Dank.

Glück Auf und unserer Verbandsgemeinde alles Gute

Ihr Josef Zolk

Quelle: www.wittich.de


28. Dezember 2014

Josef Zolk erhält die Goldene Ehrennadel des DGRV

Josef Zolk, 65, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Flammersfeld hat aus den Händen des Präsidenten des Deutschen Genossenschafts- und  Raiffeisenverbandes (DGRV), Dr. Eckhard Ott, die Goldene Ehrennadel des  DGRV für seine besonderen Verdienste in der genossenschaftlichen Arbeit  erhalten. Zolk, der zum Jahresende als Bürgermeister in den Ruhestand geht,  ist stellvertretender Vorsitzender der deutschen Friedrich Wilhelm  Raiffeisen Gesellschaft und Leiter des Raiffeisenhauses in Flammersfeld.
Josef Zolk hat u. a verantwortlich am erfolgreichen Bewerbungsantrag zur Anerkennung der "Genossenschaftsidee als Immaterielles Kulturerbe der UNECSO" mitgearbeitet.

 


Samstag, 7. Juli 2012: Tag der Genossenschaften

Genossenschaften - Relikte des 19. Jahrhunderts oder
Weltweit Chancen für Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung

Die Vereinten Nationen haben 2012 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften ausgerufen, um auf die weltweite Bedeutung von Genossenschaften aufmerksam zu machen und ihre Rolle für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung vieler Länder zu betonen. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon begründet diese Entscheidung mit der Verbindung von Wirtschaftlichkeit und sozialer Verantwortung, die von den Genossenschaften der internationalen Gemeinschaft vorgelebt werde. Am Samstag, 7. Juli 2012, findet nun der Internationale Genossenschaftstag statt. Grund genug, im Raiffeisenland sich mit dem Thema „Genossenschaften" zu beschäftigen.

 

In Deutschland ist die Genossenschaftsgruppe die bei Weitem mitgliederstärkste Wirtschaftsorganisation. Mit 26 Millionen Mitgliedern und mehr als 800.000 Mitarbeitern in über 7.500 Genossenschaften sind sie eine treibende Kraft für Wirtschaft und Gesellschaft. Genossenschaften gibt es in vielen Bereichen und Branchen:

 

1. Genossenschaftsbanken

Nähe zum Kunden, Verantwortung in der Region und Partner des Mittelstandes - nach diesen Grundsätzen arbeiten die 1.138 deutschen Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Verbundunternehmen der genossenschaftlichen Finanzgruppe.

 

2. Wohnungsgenossenschaften

Mit ihren rund 2,2 Millionen Wohnungen bieten die rund 2.000 Wohnungsgenossenschaften für mehr als 5 Millionen Menschen Wohnungen. Der Anteil der Genossenschaftswohnungen am Mietwohnungsbestand in Deutschland von 24 Millionen Mietwohnungen beträgt ca. 10 %.

 

3. Raiffeisengenossenschaften

Über 2.000 landwirtschaftliche Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften mit 1,7 Millionen Mitgliedern berufen sich auf die Ideen von Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Sehr viele Landwirte und Winzer sind Mitglieder von ländlichen Genossenschaften.

 

4. Gewerbliche Genossenschaften

In Deutschland gibt es zu Beginn des Jahres 2012 rund 1600 gewerblichen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften mit rund 300.000 Mitgliedern und einem addierten Jahresumsatz (Umsatz aller Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften zusammen) von ca. 103 Milliarden Euro.

 

5. Konsumgenossenschaften

Das Genossenschaftsgesetz von 1889 definierte Konsumgenossenschaften als „Vereine zum gemeinschaftlichen Einkauf von Lebens- oder Wirtschaftbedürfnissen". Dabei bedeutet „Einkauf" nicht, dass mehr Handel betrieben wird. Die eigene Produktion ist traditionell Teil des konsumgenossenschaftlichen Konzepts.

Kooperation ist keine neue Erfindung. In der Menschheitsgeschichte haben in allen Kulturen, in allen Weltregionen und zu allen Zeiten Menschen für gemeinsame Zwecke zusammengearbeitet. Dabei haben sich unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit herausgebildet: Ad-hoc-Zusammenschlüsse, auf Langfristigkeit angelegte Kooperationen und informelle bzw. traditionelle Formen.

Die Entstehung des modernen Genossenschaftswesens im 19. Jahrhundert und die Rolle der Pioniere Raiffeisen und Schulze-Delitzsch werden in diesem UNO-Jahr der Genossenschaften zu Recht herausgestellt.

Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der Sohn des Westerwaldes, folgte zunächst seiner christlichen Überzeugung unter dem Leitspruch: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan". Seine ursprünglichen Ideen basierten auf einem karitativen Ansatz.

Hermann Schulze-Delitzsch, preußischer Politiker, Kaufmann, Jurist, war dagegen der Meinung, dass sich die Menschen selbst helfen müssen, um ihre wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Auch Raiffeisen erkannte bald, dass ein karitativer Ansatz allein die Not nicht nachhaltig überwinden konnte. Die Menschen müssen den Willen haben und die Chance erhalten, sich selbst zu helfen. Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung, die „drei S", wurden die Grundlagen des genossenschaftlichen Handelns.

Heute sind Genossenschaften in vielen Ländern wichtige Elemente der Wirtschaft und Gesellschaft. Sie schaffen und sichern Marktzugang, Größenvorteile und eigenständige Marktpositionen. Ihr Fundament sind Stabilität, Vertrauen und Zuverlässigkeit. Die Sozial- und Wirtschaftsstruktur eines Landes wird durch Genossenschaften positiv beeinflusst. Genossenschaften im Finanzsektor, Handel, Handwerk und in der Landwirtschaft sind in vielen Ländern das Rückgrat der wirtschaftlichen Aktivitäten. Sie basieren auf lokaler Initiative und Wirtschaftskraft und tragen wesentlich zur Entwicklung bei. Sie sind in ihren Strukturen regionalbezogen und überschaubar, sie unterliegen nicht anonymen Konstrukten weltweit operierender Finanzkonzerne.

 

Genossenschaften brauchen gute Partner

Erfolgreiche genossenschaftliche Systeme umfassen mehrere Ebenen: lokale Genossenschaften und regionale bzw. nationale Zentralen und Verbände. Sie sind dem Subsidiaritätsprinzip entsprechend aufgebaut, das Eigenverantwortung vor staatliches Handeln stellt, müssen aber auch geprüft und kontrolliert werden. Schon 1872 schrieb Raiffeisen: „Die Organisation ist das einzige Mittel, die Darlehns-Vereine für die ganze Zukunft zu erhalten, durch sie sind die einzelnen Vereine nicht mehr allein stehend, nicht mehr den Zufälligkeiten und Wechselfällen der Zeit unterworfen". Spar- und Kreditgenossenschaften müssen lizenziert sein und der Regulierung und Aufsicht durch staatliche Stellen unterliegen. Auch kleinste Ersparnisse müssen sicher sein; hier spielt neben der Bankenaufsicht auch ein Einlagensicherungssystem eine wichtige Rolle. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor moderner genossenschaftlicher Systeme ist die umfassende genossenschaftliche Prüfung und Kontrolle.

Gerade wegen der Globalisierung nimmt die Bedeutung der lokalen und regionalen Wirtschaft als eine der Grundlagen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zu, die von unterschiedlichen Faktoren wie Ressourcenausstattung, fachlichem Know-how, Infrastruktur, Existenz eines leistungsfähigen Finanzsektors und effizienten Märkten abhängt. Um den Menschen Teilhabe an der Entwicklung zu ermöglichen, muss ihnen die Chance zur Selbsthilfe gegeben werden. Der Staat setzt den (wirtschafts-) politischen Rahmen, innerhalb dessen sich „Entwicklung" vollziehen kann.  

 

Selbstbestimmung statt Instrumentalisierung

Genossenschaften werden in der entwicklungspolitischen Diskussion bis heute sehr unterschiedlich beurteilt. Auf der einen Seite findet sich eine völlige Überschätzung als „Instrument" zur Entwicklung, auf der anderen Seite gibt es undifferenzierte Ab­lehnung. Es wurde oft versucht, einen Organisationstyp, der sich zum Beispiel in Europa organisch entwickelt hat, ohne Beachtung der spezifischen Bedingungen eines einzelnen Entwicklungslandes oder der Bedürfnisse der Menschen zu übertragen oder gar als Instrument des Staates bzw. von Geberorganisationen zu benutzen. Landespezifische Bedingungen, wie sozialer Zusammenhalt und betriebswirtschaftliche Aspekte als Grundlage unternehmerischen Handelns, wurden ebenso vernachlässigt wie notwendige landeseigene gesetzliche Rahmenbedingungen.

Genossenschaften können staatliches Handeln nicht ersetzen. Wollen sie ihrem eigentlichen Auftrag gerecht werden, sind sie: Unternehmen ihrer Mitglieder, für diese tätig, von diesen getragen, finanziert und kontrolliert.

 

Entscheidend ist die Situation vor Ort

Es gibt weltweit viele Beispiele erfolgreicher genossenschaftlicher Strukturen, die aus eigener Kraft und Initiative heraus entstanden sind oder erfolgreich „behutsam" von außen gefördert wurden. Wesentliche Bedingung dafür aber war und ist immer, dass sich die Genossenschaften an den Zielen und Bedürfnissen der Mitglieder orientieren.

Eine der wichtigsten Lehren aus dem Aufbau genossenschaftlicher Strukturen ist: Jedes Land ist anders, jede Kultur ist anders. Deshalb kann es auch kein Standardmodell geben. Aber es gibt Erfahrungen, die genutzt werden können:

  • Jede Genossenschaft muss für ihre Mitglieder leistungsfähig und attraktiv sein. Dazu sind in der einzelnen Genossenschaft eine konsequente wirtschaftliche Ausrichtung, eine adäquate interne Organisation und gut ausgebildete Führungskräfte und Mitarbeiter erforderlich. Die Genossen-schaften müssen Teil von subsidiär aufgebauten Netzwerken sein, denn dann können sie von den Leistungen spezialisierter Zentralunternehmen und Verbänden profitieren. Genossenschaften bieten die Chancen, die Menschen an der regionalen Wertschöpfung zu beteiligen, ja regionale Wertschöpfung erst zu ermöglichen und zu stabilisieren.
  • Der Staat hat dabei „nur" die Pflicht, einen angemessenen rechtlichen und regulatorischen Rahmen für genossenschaftliches Handeln zu schaffen. Genossenschaften können staatliches Handeln nicht ersetzen und haben auch keinen öffentlichen Auftrag. Sie sind Unternehmen ihrer Mitglieder, für diese tätig, von diesen getragen, finanziert und kontrolliert. Und das unterscheidet Genossenschaften grundlegend von den Finanzkonzernen

 

2. Juli 2012

Josef Zolk

 


Aus: Rhein-Zeitung vom 25. Februar 2010:

 

„Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat".
So steht es in Artikel 20 unseres Grundgesetzes.
Zur Zeit wird für die Zukunft unseres Landes in vielen öffentlichen Debatten die Reduzierung der sozialen Dimension unseres Gemeinwesens gefordert.

Die Bild-Zeitung fragt: „Macht Hartz IV faul?" Politiker schlagen in die selbige Kerbe, Guido Westerwelle sieht mit seinem sozialen Atheismus in der Sozialpolitik gar Anzeichen spätrömischer Dekadenz. Er zeigt sich als Reformer, der sozial- und gesellschaftspolitisch nicht in Form ist. Er bestätigt das Sprichwort: „Durch die Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Sachverstand und Einsicht fehlt". Heiner Geissler hat dazu die richtige Antwort gegeben. Ein Arbeitgeberpräsident sorgt sich darum, ob die Grundsicherung zu hoch ist. Aber ist das wirklich unser Problem? - Klar, schwarze Schafe gibt es immer. Dass es sie unter Bankvorständen gibt, hat uns die Wirtschafts- und Finanzkrise auf bittere Weise gezeigt.
Niemand darf vergessen, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise von ungezügelten Bankern zu verantworten ist und dass die steigende Arbeitslosigkeit unter anderem dadurch ausgelöst wurde. Die Systemveränderer sitzen nicht bei den Sozialunterprivilegierten, sie waren und sitzen in wichtigen finanzwirtschaftlichen Positionen. Die Dollar-Philosophie hat eindeutig versagt Wenn die Idee der sozialen Marktwirtschaft nicht nachhaltig beschädigt werden soll, brauchen wir eine genaue Analyse der tiefer liegenden Ursachen der Finanzkrise und der Gefahren der Krisenbekämpfung. Ohne Neuordnung und klaren internationalen Rahmenbedingungen für die Finanz- und Wirtschaftsordnung wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis der nächste Crash ansteht. Das ist keine Frage der Sozialpolitik; wirtschaftliches Handeln muss zu einem Ergebnis führen, das unter Beachtung ökonomischer, ethischer, sozialer und ökologischer Kriterien den Interessen aller Betroffenen, auch derjenigen, die nicht oder nur eingeschränkt am Marktgeschehen teilnehmen, gerecht wird. Einseitige Gewinner, wie zuletzt einige Bankangestellten bei den Großbanken, verderben die politische , wirtschaftliche und soziale Moral und tragen dazu bei, dass der Tankstelle der Solidarität der Sprit ausgeht.
„Wirtschaftliches Handeln soll der nachhaltigen Mehrung des Wohlstandes breiter Bevölkerungsschichten dienen. Die Orientierung an kurzfristig erzielbaren Gewinnen hat jedoch Anreizstrukturen erzeugt, die das individuelle Verhalten von Managern in Konflikt mit dem Gemeinwohl und den dafür notwendigen Ordnungsprinzipien bringen", heißt es in der Stellungnahme der Arbeitsgruppe zur Finanz- und Wirtschaftskrise, die von der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz einberufen wurde. Dem ist nur hinzu zu fügen, dass daraus die Konsequenzen gezogen werden müssen, wobei gerade die übergroße Zahl der mittelständischen, meist familiengeführten Unternehmen sich einer ethischen Unternehmensführung verschrieben haben. Sie stellen die Interessen der Mitarbeiter, der Region und des Landes ausdrücklich neben die Interessen ihres Unternehmens selbst. Und gerade familiengeführte Unternehmen hadern heute mit dem restriktiven Verhalten der Geldinstitute, wenn sie Mittel auf dem Kapitalmarkt suchen.

Aber natürlich ist es richtig: Auch unter Hilfeempfängern gibt es schwarze Schafe. Nicht alle, die ohne Arbeit sind, sehnen sich ernsthaft nach Arbeit. Aber das sind die Ausnahmen. Trotzdem ist der folgende Hinweis sehr wichtig: Bereits heute gibt es genügend Sanktionsmöglichkeiten.
Hinzukommt: Viele haben auch multiple Vermittlungshindernisse. Das war immer so und wird auch so bleiben. Aber üppig sind die Leistungen nicht.
Kaum zu glauben, dass es möglich ist, damit über die Runden kommen zu müssen. Deshalb ist es falsch, den Eindruck zu erwecken, als sei die mangelnde Arbeitsbereitschaft das Hauptproblem, zumal natürlich (jetzt wieder zunehmend) Arbeitsplätze fehlen.
Alleinerziehende z.B. brauchen Kita-Plätze und Tageseltern. Umschulung, Qualifizierung und Weiterbildung sind für viele dringend notwendig, weil es stimmt: Wie besser die Qualifikation, desto besser sind die Vermittlungschancen und umgekehrt.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise verschärft die Probleme auf dem Arbeitsmarkt (daran sind nicht die Arbeitslosen schuld), sowohl was die Vermittlungen durch die Bundesagentur für Arbeit (nach SBG III) angeht als auch die Vermittlungen durch die ARGEN (nach SGB II) als bisheriges Kooperationsprojekt zwischen den Landkreisen und den regionalen Dienststellen der Bundesagentur für Arbeit. Gleichgültig wie die zukünftige Organisation der bisherigen Hartz IV - Regelung aussehen wird:
Wir brauchen mehr Arbeitsangebote für Arbeitssuchende, mehr Qualifikation für Arbeitssuchende, bessere Unterstützung für Alleinerziehende und weniger Ideologie bei dem einen oder anderen Politiker. Zur Zeit erinnert mich der eine oder andere an eine Bemerkung Mark Twains, der erzählte, dass die Insassen eines Ruderbootes, die auf einem See wegen Nebels ihre Orientierung verloren hatten, ihre Schlagzahl erhöhten, um schneller vorwärts zu kommen.
Aber weiter gilt: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat". Dabei muss es bleiben.


Josef Zolk
Mitglied im Landesvorstand der CDU-Sozialausschüsse (CDA)


02.05.2009

Arbeit gehört zur menschlichen Existenz

Arbeit ist mehr als ein Produktionsfaktor. Sie ist Voraussetzung der individuellen gesellschaftlichen Existenz des Menschen und Voraussetzung seiner personalen Entfaltung. Arbeit bestimmt das menschliche Wesen grundlegend; sie ermöglicht die Sinngestaltung des Menschen. Darüber hinaus sichert sie als Erwerbsarbeit den Lebensunterhalt und die allgemeine Daseinsvorsorge. Sie ist schließlich auch ein Grund gesellschaftlicher Anerkennung. Arbeitslosigkeit – und zumal ein hohes Niveaus an Arbeitslosigkeit – ist deshalb mit dem Gemeinwohl nicht vereinbar.

Der Arbeitsmarkt ist kein Markt im herkömmlichen Sinn. Hier verwirklichen sich Lebensentwürfe. Den Arbeitsmarkt lediglich dem Spiel von Angebot und Nachfrage zu überlassen heißt, die besondere Bedeutung von Arbeit für den Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft insgesamt zu leugnen.

Jedem die Chance auf Erwerbsarbeit und damit auch Teilhabe zu eröffnen, ist aus Gebot der Gerechtigkeit. Dazu bedarf es einer auf Wachstum ausgerichteten Politik, die insbesondere auf Innovation, Forschung und Entwicklung setzt. Auch eine Verringerung des Abstands zwischen Brutto- und Nettolöhnen sowie die nachhaltige Bekämpfung der Schwarzarbeit leisten einen Beitrag zu mehr Beschäftigung.

Kombi-Einkommen können für benachteiligte Menschen (Gering- und Unqualifizierte, die auch nur begrenzt qualifizierbar sind) ein Instrument sein, ihre Integration in den Arbeitsmarkt und zugleich ein existenzsicherndes Einkommen zu erreichen. Für einen Teil der Betroffenen wird diese Integration nur durch öffentlich geförderte Arbeit zu erreichen sein; doch auch das ist menschlicher als die bloße Alimentation der Betroffenen.

Besondere Anstrengungen sind zugunsten von jungen Arbeitslosen und von älteren Arbeitnehmern bzw. Arbeitslosen erforderlich.

Wo die Integration in den Arbeitsmarkt und gesellschaftliche Teilhabe gelingen soll, bedarf es für einen Teil der Menschen ergänzender Maßnahmen, welche im weitesten Sinne zur Übernahme von Eigen- und Sozialverantwortung befähigen: Anleitung, psychosoziale Unterstützung, Schuldnerberatung, Suchtberatung etc. Wo bloße Appelle an die Eigenverantwortung nichts bringen, ist der Staat in besonderer Weise gefordert.

Arbeit braucht gerechten Lohn. Bildung und Ausbildung, Qualifizierung und Weiterbildung erhöhen nicht nur die Aussichten auf Integration in den Arbeitsmarkt, sondern auch auf einen angemessenen, gerechten Lohn.

Dies allein stellt wegen des strukturellen Ungleichgewichts auf dem Arbeitsmarkt Lohngerechtigkeit nicht sicher. Wer in Vollzeit erwerbstätig ist, sollte von seinem Verdienst auch leben können. Für Menschen mit Behinderungen und besonderen Benachteiligungen wird ein existenzsicherndes Einkommen vielfach nur durch eine Kombination aus Arbeitseinkommen und staatlichen Transferleistungen erreicht werden können. Für Menschen, die solche Benachteiligungen nicht aufweisen, und zumal für Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung muss gelten, dass das Arbeitseinkommen selbst existenzsichernd ist. Deswegen ist zunächst gerade im Niedriglohnbereich auf eine möglichst geringe Belastung mit Zwangsabgaben zu achten. Und es sind Verwerfungen auf Arbeitsmärkten („Lohndumping“) zu bekämpfen – durch eine Stärkung des Instruments der Allgemeinverbindlichkeit, eine Ausweitung des Entsendegesetzes und auch, wo das zuvor Genannte nicht ausreicht, durch darüber hinaus gehende, differenzierte Mindestlohnregelungen, die die Beschäftigungswirkungen berücksichtigen.

Zur Lohngerechtigkeit gehört wesentlich auch, dass für gleiche Arbeit gleicher Lohn gezahlt wird. Dass Frauen im Durchschnitt für vergleichbare Arbeit noch immer rund ein Fünftel weniger verdienen als Männer, ist ein Skandal, den die Tarifvertragsparteien und die Politik beseitigen müssen.

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedürfen des arbeitsrechtlichen Schutzes. Der Schutz vor willkürlicher Kündigung etwa ist Ausdruck des Respekts vor der Würde des arbeitenden Menschen.

Wo um der notwendigen Flexibilität willen alte Sicherheiten für die Arbeitnehmer verloren gehen, muss eine neue Sicherheit greifen. Die gleichzeitige Deregulierung arbeitsrechtlicher Vorschriften und Verschlechterung der sozialen Absicherung für den Fall der Arbeitslosigkeit ist der falsche Weg.

Die betriebliche Mitbestimmung und die Mitbestimmung im Unternehmen sind Ausdruck der personalen Würde des arbeitenden Menschen und ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Arbeits- und Sozialordnung. Sie grenzen das deutsche Modell gegenüber den inhumanen Vorstellungen liberalistischer und sozialistischer Prägung ab. Im partnerschaftlichen Zusammenwirken im Betrieb zeigt sich die Stärke unseres Modells sozialer Marktwirtschaft. Zwar gewinnt Mitbestimmung ihre Legitimation nicht erst aus ihrer ökonomischen Vorteilhaftigkeit. Doch es gilt zugleich:
Mitbestimmung ist ein Standortargument, kein Standortnachteil. Gerade deswegen gilt es, die Erosion der Mitbestimmung durch eine klare europäische Regelung zu unterbinden. Notwendig ist eine europäische
Betriebs- und Unternehmensverfassung.

So wichtig ein Arbeitsplatz für die Chancen auf Teilhabe ist: Arbeit ist mehr als Erwerbsarbeit. Auch Familienarbeit, Gesellschaftsarbeit und ehrenamtliches Engagement tragen zur menschlichen Gestaltung unserer Gesellschaft bei und verdienen Anerkennung und Unterstützung.

 


11.02.2009

"Immun gegen Finanzkrise"

Trotz Finanzkrise sollen die Renten zum 1. Juli um 2,5 Prozent steigen.
Die gute Nachricht ist: Die umlagefinanzierte gesetzliche Rente und damit die wichtigste Säule der Alterssicherung ist immun gegen die Finanzkrise. Die eifrigen Kämpfer für eine Umstellung unseres Rentensystems von der Umlagefinanzierung auf Kapitaldeckung sind kleinlaut geworden. In einer Krise wie jetzt zeigt sich: Die umlagefinanzierte Rente ist sicher und leistungsfähig. Obendrein ist sie unabhängig von den Künsten der Finanzakrobaten. Dazu kommt: Dank der guten Konjunktur und der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt vor der Finanzkrise konnte die Rentenversicherung wieder Rücklagen aufbauen. Fast eine Monatsausgabe - knapp 16 Milliarden Euro - liegt bei der Rentenversicherung auf der hohen Kante und sorgt dafür, dass konjunkturelle Schwankungen nicht gleich zu Problemen führen.

 

Josef Zolk, Flammersfeld

 


05.01.2009

Zolk: Aufstieg durch Bildung sichern Gastbeitrag: VG-Bürgermeister nennt sechs Punkte für Chancengleichheit Kinder sind die Zukunft des Landes.

Doch Gesellschaft und Familien müssen besser zusammenarbeiten, um ihnen optimale Möglichkeiten zu bieten, fordert der CDU-Sozialpolitiker Josef Zolk in seinem Gastbeitrag. Bildung ist der Weg zum gesellschaftlichen Aufstieg. Sie vermittelt Orientierung und bestimmt Lebenswege. Deswegen muss jeder Mensch ungeachtet seiner Herkunft nach seiner Begabung gefördert und gefordert werden. Dies ist gemeinsame Aufgabe der Familien und der Gesellschaft. Die meisten Familien werden ihrem Erziehungsauftrag gerecht und können eigenverantwortlich ihren Kindern die gewünschten Bildungschancen eröffnen. Es ist aber auch festzustellen, dass eine zunehmende Zahl von Familien nicht mehr in der Lage ist, ihren Erziehungs- und Bildungsauftrag zu erfüllen. Angesichts der immer differenzierteren Familienkonstellationen ist es zentrale Aufgabe von Politik und Gesellschaft, mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung anzustreben und damit möglichst allen Kindern und Jugendlichen die Teilhabe am gesellschaftlichen Fortschritt zu ermöglichen. Sie müssen hautnah erfahren können, dass Bildung, Leistung und Fleiß weiterhin Garanten des gesellschaftlichen Aufstiegs sind. Nur dann haben sie eine Zukunftschance; und nur dann wird die Gesellschaft nicht mit Transferleistungen unterstützend Kosten übernehmen müssen. Neben der individuellen Sicht spricht also auch die gesamtgesellschaftliche Verantwortung die gleiche Sprache. Hoffentlich! Unsere Gesellschaft verspielt angesichts der demografischen Entwicklung ihre Zukunftsfähigkeit, wenn sie sich nicht in besonderer Weise allen Kindern und Jugendlichen beziehungsweise deren Familien zuwendet. Obendrein ist Bildung für alle die nachhaltigste Wirtschafts- und Sozialpolitik. Daher gilt:

Die frühkindliche Bildung ist für die Entwicklung eines Kindes von entscheidender Bedeutung. Sowohl im Elternhaus als auch in den Kindertagesstätten werden die Weichen für die zukünftige persönliche Entwicklung und damit für die schulische und berufliche Laufbahn gestellt. Der regelmäßige Besuch einer Kindertagestätte, eines Kindergartens oder einer Tagespflege sind deswegen zu unterstützen. Für unter Dreijährige muss es ein bedarfsgerechtes Angebot geben. Gezielte Sprachförderung für Kinder aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte oder sozial schwächeren Familien ist unabdingbar. Nur wenn es gelingt, diesen Kindern in den ersten Jahren die notwendige Sprachkompetenz zu vermitteln, haben sie auch die Chance, ihre Schullaufbahn erfolgreich zu absolvieren. Gesunde Ernährung mit mindestens zwei Mahlzeiten muss in den Kindertagesstätten obligatorisch sein.

Schulen müssen ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag angesichts zunehmender Orientierungs- und Perspektivlosigkeit umfassend wahrnehmen. Sie müssen sicherlich zuerst Wissen und Fertigkeiten vermitteln. Dazu gehört auch die Entdeckung und Förderung der musikalischen, künstlerischen und sportlichen Talente der Kinder. Ebenso wichtig wie Wissen und Fertigkeiten ist aber die Vermittlung von Werten und Tugenden. Schulen können ihrem ganzheitlichen Auftrag aber nur gerecht werden, wenn die notwendigen personellen und räumlichen Voraussetzungen gegeben sind. Je besser die Schüler-Lehrer-Relation, desto nachhaltiger kann Kindern geholfen werden. Schulen müssen Sozialarbeiter und Psychologen in verstärktem Maße in ihre Arbeit einbeziehen können.

Ganztagsschulen, insbesondere im Primarbereich, gehört die Zukunft. Ganztagsschulen sind weder Heilsbringer noch Teufelswerk, sondern schlicht die bildungspolitische Antwort auf gesellschaftliche Veränderungen. Ein weiterer Ausbau der Ganztagsangebote an den Primar- und weiterführenden Schulen ist alternativlos. In Ganztagsschulen ist - ebenso wie in den Kindertagesstätten - die Verpflegung der Schülerinnen und Schüler zumindest morgens und mittags sicherzustellen.

Es ist zentrales bildungspolitisches Ziel, dass jeder Schüler einen qualifizierten Schulabschluss erwirbt, gleichgültig welchen Namen die Schulen tragen, entscheidend ist ein anerkannter Bildungsabschluss. Dieser ist und bleibt die Voraussetzung für einen qualifizierten Ausbildungsplatz mit der Perspektive eines Arbeitsverhältnisses. In besonderer Weise muss darauf geachtet werden, dass ein solcher Schulabschluss auch für diejenigen Schüler zu erreichen ist, die vornehmlich praktische Talente haben.

Viele Familien aus benachteiligten Schichten brauchen zeitweise, oftmals sogar dauerhaft, die Unterstützung der Gesellschaft, um ihrem Erziehungsauftrag gerecht zu werden. Die professionellen Dienste in Form von Familienzentren, Familienberatungsstellen oder der aufsuchenden Sozialarbeit müssen weiter gestärkt werden. Ziel ist es, die Eigenverantwortung der Eltern zu stärken.

Staatliche und kommunale Angebote an Kindergärten und Schulen, ergänzt durch Tagespflege, sowie die Freizeitmöglichkeiten müssen Qualitätsansprüchen genügen. Kirchliche, freie und kommunale Träger sowie Vereine und Verbände müssen hier kooperieren. Schulträger und Schulen müssen noch mehr ihre Räume für Jugendarbeit abends, am Wochenende und in den Ferien bereithalten. Die vorhandene Infrastruktur zu nutzen ist sinnvoll.

 


29.12.2008

Kindertagesbetreuung – Erziehung, Bildung und Betreuung sind wichtig - Neue Steuerverpflichtung gefährdet gute Konzeption - Änderungen notwendig

Kinderbetreuung in Tagespflege ist im Landkreis Altenkirchen ein wichtiger Baustein in der Gesamtkonzeption zur Förderung von Kindern und der Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mit der Kindertagespflegebörse des Kreisjugendamtes, dem Familienbüro und dem Trägerverbund Kindertagespflege hat der Landkreis Altenkirchen frühzeitig tragfähige Strukturen und Hilfe- und Unterstützungssysteme für Eltern und Tageseltern geschaffen und kontinuierlich ausgebaut.
Jetzt gefährdet das Steuerrecht die gute Entwicklungsmöglichkeiten.

Vom Grundsätzlichen dann zum konkreten Problem:

Kinder brauchen eine liebevolle und verantwortungsbewusste Zuwendung ebenso wie Verlässlichkeit und Kontinuität in der Betreuung und Erziehung.
Eltern brauchen ein ausreichendes und zuverlässiges Betreuungsangebot für ihre Kinder, um Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können. Sie wollen sicher sein, wem sie ihr Kind mit gutem Gewissen anvertrauen können und sie wollen ihre Kinder pädagogisch gut betreut wissen.

Geeignete Tagesmütter und Tagesväter bieten qualifizierte und zuverlässige Betreuung der Kinder. Sie unterstützen Eltern und allein Erziehende in der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder und helfen den Eltern dabei, Erwerbstätigkeit und Kindererziehung besser miteinander vereinbaren zu können

Kindertagespflege kann selbst organisiert oder vom Jugendamt vermittelt werden. Wird ein Kind in Tagespflege betreut, ohne dass ein staatlicher Zuschuss geleistet wird, wird die Höhe der Betreuungskosten zwischen Eltern und Tagespflegperson ausgehandelt. Bei einer durch das Jugendamt vermittelten Betreuung in Kindertagespflege erhalten die Tagespflegepersonen eine laufende Geldleistung (ein Tagespflegeentgelt) nach den Richtlinien über die Leistungen und Kostenbeiträge in der Kindertagespflege im Landkreis Altenkirchen. Die laufende Geldleistung wird jeweils am Ende des Monats gezahlt; die Höhe richtet sich nach dem durchschnittlichen wöchentlichen Betreuungsumfang.

Das Tagespflegeentgelt setzt sich zusammen aus

  • den Kosten für den Sachaufwand und einem angemessenen Beitrag zur Anerkennung der Förderungsleistung
  • die hälftige Erstattung nachgewiesener Aufwendungen zur Alterssicherung der Tagespflegeperson
  • der Erstattung nachgewiesener Aufwendungen für Beiträge zur Unfallversicherung

Zuständig für selbstständige Tagespflegepersonen im eigenen Haushalt ist die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege oder die Unfallversicherung.

Alle Vereinbarungen zwischen Eltern und Tagesmutter /-väter sollten in einem Betreuungsvertrag schriftlich festgelegt werden.

Erhält eine selbstständig tätige Tagespflegeperson das Betreuungsgeld von privater Seite, muss sie es versteuern. Betreuungsgelder aus öffentlicher Hand sind bislang (Stand 2008) steuerfrei.
Soweit so gut.
Genau hier beginnt das jetzige Problem:
Vom Januar ab sollen Tagesmütter/Tagesväter auch für die Betreuungsgelder aus öffentlicher Hand Steuern und Abgaben zahlen. Viele der Betroffenen rechnen und rätseln, ob sich die Kinderbetreuung (Tagespflege) künftig für sie noch lohnt. Es besteht die Gefahr, dass sich manche aus der Betreuung bzw. der Betreuungsüberlegung verabschieden, weil es sich für sie persönlich noch weniger rechnet als bisher. Dabei wäre die Übernahme aller Kinder in Kindertagesstätten sicher nicht billiger und – kindgerechter – und wegen der Gruppengrößen auch nicht immer wünschenswert.
Hinzukommt, das ab August 2010 die zweijährigen Kinder und ab 2013 die Einjährigen Kinder Rechtsanspruch auf Kindergartenplätze haben. Gerade unter diesen Aspekten sind Tagespflegemodelle dringend notwendig. Somit bräche, beim Ausstieg der Tagesmütter/Tagensväter, ein wesentliches und sinnvolles Instrument guter Kinderförderung zusammen, das mühsam aber erfolgreich aufgebaut wurde.
Dabei sollte gerade durch das neue Kinderförderungsgesetz (KiFöG) der Stundensatz für die Tagesbetreuung angehoben werden. Die neue Verordnung der Finanzminister der Länder gefährdet dies, wie viele Experten kritisieren. Hoffentlich wird dadurch nicht die gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen Tagesmüttern und Landkreis/Kommunen geschädigt.
Die Benachteiligten wären dann wieder mal die Familien, die betreuende Unterstützung brauchen.
Wünschenswert wäre es weiterhin, wenn es künftig auch in Rheinland-Pfalz möglich wäre, Tagespflege für Kinder auch in außerfamiliären Räumen durchzuführen, wie es bundesweit vorgesehen ist, denn oft setzt die räumliche Situation Betreuungsgrenzen und verhindert ein sinnvolles Angebot.

Parteien, Kommunen, Kreis, Landkreistag, Gemeindestädtebund, Elternverbände und alle Interessierte müssen gegen die neue Regelung der Finanzminister kämpfen. Im Interesse der Kinder und ihrer Familien.


Josef Zolk
Bürgermeister der Verbandsgemeinde Flammersfeld


27.12.2008

Kinderarbeit –  Ein Skandal

Weltweit sind Millionen von Kindern erwerbstätig. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) geht von etwa 218 Millionen Kinderarbeitern im Alter von 5 bis 17 Jahren im Jahr 2004 aus. Am häufigsten arbeiten Kinder in der Landwirtschaft, oft in der eigenen Familie oder in Familienbetrieben. Darüber hinaus werden besonders viele Mädchen in Privathaushalten beschäftigt. In der Altersgruppe zwischen 5 und 17 Jahren sind weltweit 126 Millionen Kinder gezwungen, unter gefährlichen Bedingungen zu arbeiten: Sie schuften in Steinbrüchen oder Minen, in Chemiefabriken oder als Lastenträger. Hinzu kommen die Kinder, die als Kindersoldaten, als Prostituierte, als Sklaven oder Zwangsarbeiter missbraucht werden – nach UN-Schätzung werden jährlich mehr als eine Million Kinder zur Prostitution gezwungen. Die meisten von diesen Kindern haben noch nie eine Schule besucht und erhalten dadurch keine Chance, dem Teufelskreis aus Armut, Analphabetismus, Diskriminierung und Ausbeutung zu entfliehen. Dies steht im drastischen Widerspruch zu internationalen Vereinbarungen, wie z.B. die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen von 1989. Doch die internationalen Vereinbarungen werden in vielen Ländern weder angewendet noch durchgesetzt.

Kinder- und Entwicklungshilfeorganisationen unterstützen seit Jahren Initiativen, die sich gegen Kinderarbeit und Ausbeutung von Kindern richten. In Einklang mit den UN - Millennium-Entwicklungszielen, die  eine Halbierung der Armut sowie Grundbildung für alle Kinder bis 2015 anstreben, zielen viele Projekte auf die Bekämpfung von generationsübergreifender Armut, auf die Verbesserung der Einkommenssituation der Eltern sowie auf Bildung und Ausbildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ab.

Kinderarbeit abschaffen und Bildung fördern

1. „Kinderarbeit“ ist ein globales Thema. Das Ziel der Abschaffung von Kinderarbeit kann nur erreicht werden, wenn sowohl die betroffenen Länder als auch die westlichen Industriestaaten dabei zusammen arbeiten.

2. Kinderarbeit hat unterschiedliche Formen und Ursachen. Sie unterstützt den Teufelskreis aus Armut, geringem Bildungsstand und Chancenlosigkeit. Um Kinderarbeit nachhaltig abzuschaffen sind gleichzeitig die Bildungschancen für arme Kinder sowie die Berufsausbildung und die Einkommensmöglichkeiten für die Erwachsenen zu fördern.

Internationale Standards durchsetzen

3. Kinderarbeit missachtet Kinderrechte und damit auch Menschenrechte. Diese Rechte sind in internationalen Vereinbarungen verbrieft und wurden von den meisten Staaten unterzeichnet. Anwendung und Durchsetzung dieser Standards, beispielsweise durch strikte und regelmäßige Kontrollen und Bestrafungen, sind in vielen Ländern mangelhaft. Darüber hinaus fehlt es den Regierungen oft an politischem Willen, gegen ausbeuterische Unternehmen vorzugehen.

Ursachen bekämpfen

4. Armut ist die häufigste Ursache für Kinderarbeit. Die Grundschulbildung für alle Kinder ist zentral wichtig, um Armut zu bekämpfen und Perspektiven zu schaffen.  Ebenso sind die Aufklärung und Bildung der Eltern notwendig, um ihnen die negativen Auswirkungen der Kinderarbeit auf die Zukunft ihrer Kinder deutlich machen zu können.

5. Armut ist in vielen Staaten oft über Generationen hinweg verfestigt und geht einher mit Diskriminierung und sozialer, politischer und wirtschaftlicher Benachteilung.  Deswegen muss die internationale Politik die Regierungen dieser Länder  drängen, sich für Minderheitenrechte (z.B. Dalits und Adivasi in Indien) und gegen Diskriminierung von sozialen Gruppen einzusetzen.

6. In den Ländern, in denen es Kinderarbeit gibt, sind 900 Millionen Erwachsene arbeitslos.  Kinderarbeit ist häufig kein Zeichen von Arbeitskräftemangel  sondern vielmehr ein Indiz für gezielte und profitmaximierende Ausbeutung. Denn Kinder erhalten – wenn überhaupt – nur ein Bruchteil des Verdienstes von Erwachsenen.

Konsumverhalten verändern

7. Weltweite Aufklärungskampagnen für ethisch korrektes Konsumverhalten sind wichtig. Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit kann noch mehr Menschen für Produkte gewinnen, die ohne Kinderarbeit hergestellt wurden. Dabei helfen in Deutschland  verschiedene Zertifikate (Xertifix für Natursteine), Siegel (FairTrade für Lebensmittel, Kaffee, Baumwolle etc.; Rugmark für Teppiche) oder Kodizes (Saubere Kleidung Kampagne) sowie Kampagnen (Earthlinik: „Aktiv gegen Kinderarbeit), die für Produkte ohne Kinderarbeit stehen. Siegel und Zertifikate müssen glaubhaft, sicher und denjenigen, die Konsumentscheidungen treffen, verständlich sein.

Vergaberichtlinien ändern

8. Aktuell wird das Thema „Kinderarbeit“ in Deutschland im Rahmen der Neugestaltung des Vergaberechts thematisiert. Denn viele Materialien, wie Granit oder Natursteine für den Straßenbau oder für Fassaden stammen beispielsweise aus Indien und damit potenziell aus Produktionsstätten, in denen Kinder arbeiten müssen. Deswegen ist es notwendig, in den entsprechenden Vergaberichtlinien soziale Mindeststandards aufzunehmen, die Kinderarbeit oder Arbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen verbieten

Wir dürfen unseren Wohlstand nicht auf Kinderarbeit stützen, weder im privaten noch im öffentlichen Bereich.

 

Josef Zolk

Flammersfeld

Mitglied im Bundesvorstand der CDU-Sozialausschüsse (CDA)


26.12.2008

Aufstieg durch Bildung – Chancengerechtigkeit für alle – Zukunft für alle

Bildung ist der Weg zum gesellschaftlichen Aufstieg. Sie vermittelt Orientierung und bestimmt Lebenswege. Deswegen muss jeder Mensch ungeachtet seiner Herkunft nach seiner Begabung gefördert und gefordert werden. Dies ist gemeinsame Aufgabe der Familien und der Gesellschaft.

Die meisten Familien werden ihrem Erziehungsauftrag gerecht und können eigenverantwortlich ihren Kindern die gewünschten Bildungschancen eröffnen. Es ist aber auch festzustellen, dass eine zunehmende Zahl von Familien nicht mehr in der Lage ist, ihren Erziehungs- und Bildungsauftrag zu erfüllen.

Angesichts der immer differenzierteren Familienkonstellationen ist es zentrale Aufgabe von Politik und Gesellschaft, mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung anzustreben und damit möglichst allen Kindern und Jugendlichen die Teilhabe am gesellschaftlichen Fortschritt zu ermöglichen. Sie müssen hautnah erfahren können, dass Bildung, Leistung und Fleiß weiterhin Garanten des gesellschaftlichen Aufstiegs sind. Nur dann haben sie eine Zukunftschance; und nur dann wird die Gesellschaft nicht mit Transferleistungen unterstützend Kosten übernehmen müssen. Neben der individuellen Sicht spricht also auch die gesamtgesellschaftliche Verantwortung die gleiche Sprache. Hoffentlich!

Unsere Gesellschaft verspielt angesichts der demographischen Entwicklung ihre Zukunftsfähigkeit, wenn sie sich nicht in besonderer Weise allen Kindern und Jugendlichen beziehungsweise deren Familien zuwendet. Unsere Gesellschaft verliert nicht nur Wohlstand; sie verliert ihren Anspruch einer offenen und solidarischen Gesellschaft., wenn sie diesem Auftrag nicht gerecht wird. Obendrein ist Bildung für alle die nachhaltigste
Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Deswegen gilt:

1: Die frühkindliche Bildung ist für die Entwicklung eines Kindes von entscheidender Bedeutung. Sowohl im Elternhaus als auch in den Kindertagesstätten werden die Weichen für die zukünftige persönliche Entwicklung und damit für die schulische und berufliche Laufbahn gestellt.
Der regelmäßige Besuch einer Kindertagestätte/eines Kindergarten oder einer Tagespflege sind deswegen zu unterstützen. Für unter Dreijährige muss es ein bedarfsgerechtes Angebot geben. Gezielte Sprachförderung für Kinder aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte oder sozial schwächeren Familien ist unabdingbar. Nur wenn es gelingt, diesen Kindern in den ersten Jahren die notwendige Sprachkompetenz zu vermitteln, haben sie die Chance, ihre Schullaufbahn erfolgreich zu absolvieren. Gesunde Ernährung mit mindestens zwei Mahlzeiten muss in den Kindertagesstätten obligatorisch sein.
2: Schulen müssen ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag angesichts zunehmender Orientierungs- und Perspektivlosigkeit umfassend wahrnehmen.
Sie müssen sicherlich zuerst Wissen und Fertigkeiten vermitteln. Dazu gehört auch die Entdeckung und Förderung der musikalischen, künstlerischen und sportlichen Talente der Kinder. Ebenso wichtig wie Wissen und
Fertigkeiten ist aber die Vermittlung von Werten und Tugenden. Schulen
können ihrem ganzheitlichen Auftrag aber nur gerecht werden, wenn die notwendigen personellen und räumlichen Voraussetzungen gegeben sind. Je besser die Schüler-Lehrer-Relation, desto nachhaltiger kann Kindern geholfen werden. Schulen müssen Sozialarbeiter und Psychologen in verstärktem Maße in ihre Arbeit einbeziehen können.

3: Ganztagsschulen, insbesondere im Primarbereich, gehört die Zukunft.
Ganztagsschulen sind weder Heilsbringer noch Teufelswerk, sondern schlicht die bildungspolitische Antwort auf gesellschaftliche Veränderungen. Ein weiterer Ausbau der Ganztagsangebote an den Primar- und weiterführenden Schulen ist alternativlos. In Ganztagsschulen ist – ebenso wie in den Kindertagesstätten – die Verpflegung der Schülerinnen und Schüler zumindest morgens und mittags sicherzustellen.

4: Es ist zentrales bildungspolitisches Ziel, dass jeder Schüler einen qualifizierten Schulabschluss erwirbt, gleichgültig welchen Namen die schulen tragen, entscheidend ist ein anerkannter Bildungsabschluss. Dieser ist und bleibt die Voraussetzung für einen qualifizierten Ausbildungsplatz mit der Perspektive eines Arbeitsverhältnisses. In besonderer Weise muss darauf geachtet werden, dass ein solcher Schulabschluss auch für diejenigen Schüler zu erreichen ist, die vornehmlich praktische Talente haben.

5: Viele Familien aus benachteiligten Schichten brauchen zeitweise, oftmals sogar dauerhaft die Unterstützung der Gesellschaft, um ihrem Erziehungsauftrag gerecht zu werden. Die professionellen Dienste in Form von Familienzentren, Familienberatungsstellen oder der aufsuchenden Sozialarbeit müssen weiter gestärkt werden. Alle Maßnahmen müssen zum Ziel haben, die Eigenverantwortung der Eltern zu stärken.

6: Staatliche und kommunale Angebote an Kindergärten und Schulen, ergänzt durch Tagespflege, sowie die Freizeitmöglichkeiten müssen Qualitätsansprüchen genügen. Kirchliche, freie und kommunale Träger sowie Vereine und Verbände müssen hier kooperieren. Schulträger und Schulen müssen noch mehr ihre Räume für Jugendarbeit abends, am Wochenende und in den Ferien bereit halten. Die vorhandene Infrastruktur zu nutzen, ist sinnvoll.

Josef Zolk
Bürgermeister der Verbandsgemeinde Flammersfeld Mitglied im Bundesfachausschuss „Arbeit und Soziales“ der CDU


23.10.2008: Leserbrief

„KfW erhöht unsozial Zinsen für Studienkredite“

Man mag es kaum glauben. Die staatliche KfW-Bankengruppe, die gerade unrühmlich wegen ihrer IKB-Tochter in die Schlagzeilen kam, erhöht die Zinsen für Studienkredite auf 7 % und verteuert so das Studium für all diejenigen, die zum Studieren auf diesen Kredit angewiesen sind. Beim Start des Studienkredits lag der Zinssatz bei 5,1 % bei der KfW. Besonders bemerkenswert ist, dass andere Banken den Zinssatz seit der Finanzkrise nicht verändert haben. Da hilft der Staat der KFW, die vor kurzem noch einmal 300 Millionen in den Sand gesetzt hat und die KfW lässt die Studierenden höhere Zinsen zahlen, obwohl der Leitzins um 0,5 % gesenkt worden ist. Vernünftig ist das nicht. Anständig auch nicht. Ebensowenig sozial und bildungsgerecht.

 

Josef Zolk
57632 Flammersfeld


21.09.2008: Leserbrief zur Bankenkrise 

Kapitaldeckung statt Sozialversicherung: Nein

Seit Jahren fordern interessierte Kreise den Ersatz der Sozialversicherung durch Kapitaldeckungssysteme. Gestandene Sozialpolitiker und verantwortliche Wirtschaftspolitiker haben immer wieder davor gewarnt, zum Beispiel die Rentenversicherung allein den Spielregeln des internationalen Finanzkapitals auszusetzen. Die derzeitigen Zusammenbrüche von (Groß-)Banken in den USA und die Auswirkungen auf Europa und Deutschland zeigen erneut, dass die umlagefinanzierte Sozialversicherung bei all ihren Problemen deutlich stabiler und widerstandsfähiger ist als ein rein kapitalgedecktes System, das jeglicher Spekulation ausgesetzt ist. Wer ideologisch für die reine Kapitaldeckung kämpft, gefährdet langfristig die soziale Absicherung der Menschen.

 

Josef Zolk

57632 Flammersfeld


20.09.2008: Artikel von Josef Zolk aus Anlass des Weltkindertages

Kinderarbeit –  Ein Skandal

Weltweit sind Millionen von Kindern erwerbstätig. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) geht von etwa 218 Millionen Kinderarbeitern im Alter von 5 bis 17 Jahren im Jahr 2004 aus. Am häufigsten arbeiten Kinder in der Landwirtschaft, oft in der eigenen Familie oder in Familienbetrieben. Darüber hinaus werden besonders viele Mädchen in Privathaushalten beschäftigt. In der Altersgruppe zwischen 5 und 17 Jahren sind weltweit 126 Millionen Kinder gezwungen, unter gefährlichen Bedingungen zu arbeiten: Sie schuften in Steinbrüchen oder Minen, in Chemiefabriken oder als Lastenträger. Hinzu kommen die Kinder, die als Kindersoldaten, als Prostituierte, als Sklaven oder Zwangsarbeiter missbraucht werden – nach UN-Schätzung werden jährlich mehr als eine Million Kinder zur Prostitution gezwungen. Die meisten von diesen Kindern haben noch nie eine Schule besucht und erhalten dadurch keine Chance, dem Teufelskreis aus Armut, Analphabetismus, Diskriminierung und Ausbeutung zu entfliehen. Dies steht im drastischen Widerspruch zu internationalen Vereinbarungen, wie z.B. die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen von 1989. Doch die internationalen Vereinbarungen werden in vielen Ländern weder angewendet noch durchgesetzt.

Kinder- und Entwicklungshilfeorganisationen unterstützen seit Jahren Initiativen, die sich gegen Kinderarbeit und Ausbeutung von Kindern richten. In Einklang mit den UN - Millennium-Entwicklungszielen, die  eine Halbierung der Armut sowie Grundbildung für alle Kinder bis 2015 anstreben, zielen viele Projekte auf die Bekämpfung von generationsübergreifender Armut, auf die Verbesserung der Einkommenssituation der Eltern sowie auf Bildung und Ausbildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ab.

Kinderarbeit abschaffen und Bildung fördern

1. „Kinderarbeit“ ist ein globales Thema. Das Ziel der Abschaffung von Kinderarbeit kann nur erreicht werden, wenn sowohl die betroffenen Länder als auch die westlichen Industriestaaten dabei zusammen arbeiten.

2. Kinderarbeit hat unterschiedliche Formen und Ursachen. Sie unterstützt den Teufelskreis aus Armut, geringem Bildungsstand und Chancenlosigkeit. Um Kinderarbeit nachhaltig abzuschaffen sind gleichzeitig die Bildungschancen für arme Kinder sowie die Berufsausbildung und die Einkommensmöglichkeiten für die Erwachsenen zu fördern.

 

Internationale Standards durchsetzen

3. Kinderarbeit missachtet Kinderrechte und damit auch Menschenrechte. Diese Rechte sind in internationalen Vereinbarungen verbrieft und wurden von den meisten Staaten unterzeichnet. Anwendung und Durchsetzung dieser Standards, beispielsweise durch strikte und regelmäßige Kontrollen und Bestrafungen, sind in vielen Ländern mangelhaft. Darüber hinaus fehlt es den Regierungen oft an politischem Willen, gegen ausbeuterische Unternehmen vorzugehen.

Ursachen bekämpfen

4. Armut ist die häufigste Ursache für Kinderarbeit. Die Grundschulbildung für alle Kinder ist zentral wichtig, um Armut zu bekämpfen und Perspektiven zu schaffen.  Ebenso sind die Aufklärung und Bildung der Eltern notwendig, um ihnen die negativen Auswirkungen der Kinderarbeit auf die Zukunft ihrer Kinder deutlich machen zu können.

5. Armut ist in vielen Staaten oft über Generationen hinweg verfestigt und geht einher mit Diskriminierung und sozialer, politischer und wirtschaftlicher Benachteilung.  Deswegen muss die internationale Politik die Regierungen dieser Länder  drängen, sich für Minderheitenrechte (z.B. Dalits und Adivasi in Indien) und gegen Diskriminierung von sozialen Gruppen einzusetzen.

6. In den Ländern, in denen es Kinderarbeit gibt, sind 900 Millionen Erwachsene arbeitslos.  Kinderarbeit ist häufig kein Zeichen von Arbeitskräftemangel  sondern vielmehr ein Indiz für gezielte und profitmaximierende Ausbeutung. Denn Kinder erhalten – wenn überhaupt – nur ein Bruchteil des Verdienstes von Erwachsenen.

Konsumverhalten verändern

7. Weltweite Aufklärungskampagnen für ethisch korrektes Konsumverhalten sind wichtig. Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit kann noch mehr Menschen für Produkte gewinnen, die ohne Kinderarbeit hergestellt wurden. Dabei helfen in Deutschland  verschiedene Zertifikate (Xertifix für Natursteine), Siegel (FairTrade für Lebensmittel, Kaffee, Baumwolle etc.; Rugmark für Teppiche) oder Kodizes (Saubere Kleidung Kampagne) sowie Kampagnen (Earthlinik: „Aktiv gegen Kinderarbeit), die für Produkte ohne Kinderarbeit stehen. Siegel und Zertifikate müssen glaubhaft, sicher und denjenigen, die Konsumentscheidungen treffen, verständlich sein.

Vergaberichtlinien ändern

8. Aktuell wird das Thema „Kinderarbeit“ in Deutschland im Rahmen der Neugestaltung des Vergaberechts thematisiert. Denn viele Materialien, wie Granit oder Natursteine für den Straßenbau oder für Fassaden stammen beispielsweise aus Indien und damit potenziell aus Produktionsstätten, in denen Kinder arbeiten müssen. Deswegen ist es notwendig, in den entsprechenden Vergaberichtlinien soziale Mindeststandards aufzunehmen, die Kinderarbeit oder Arbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen verbieten

Wir dürfen unseren Wohlstand nicht auf Kinderarbeit stützen, weder im privaten noch im öffentlichen Bereich.

Josef Zolk

Flammersfeld

Mitglied im Bundesvorstand der CDU-Sozialausschüsse (CDA)


 

08.01.2008 Pressetext zum Mindestlohn

CDU: Wie die Maus in der Falle

Wie die Maus in der Falle muss sich zur Zeit die Union bei der Mindestlohndiskussion fühlen. Viele in ihren eigenen Reihen wissen dies seit langem, andere verschließen die Augen vor der Realität. Vielleicht deswegen, weil man der SPD bei deren wahltaktischem Thema „Mindestlohn“ nicht nachgeben will. Dabei hat man das streckenweise schon getan, wie das Entsendegesetz bei den Postdienstleistern beweist. Obendrein werden Mindestlöhne bereits in mehreren Branchen gezahlt, dazu zählen u.a. das Baugewerbe, die Dachdecker, die Gebäudereiniger, die Maler, die Lackierer, die Elektromonteure; das Arbeitnehmerentsendegesetz ermöglicht Branchenmindestlöhne über den Weg der Allgemeinverbindlichkeitserklärung. Das seit 1952 bestehende Mindestarbeitsbedingungsgesetz wurde zwar nie angewendet, ermöglicht aber Mindestlöhne. Auch in der Europäischen Union ist das Thema Mindestlohn nicht neu: In 20 Staaten der Europäischen Union gibt es, teilweise seit vielen Jahren, einen Mindestlohn. Die Spanne ist breit und reicht von 53 Cent pro Stunde in Rumänien bis zu 9,08 Euro in Luxemburg.

Und seit der Koalitionsvereinbarung zwischen Union und SPD 2006 ist klar, dass der Niedriglohnsektor auf der Tagesordnung steht. Die Strategen der Union hätten spüren können, dass die SPD in Ermangelung anderer erfolgheischender Themen den „Mindestlohn“ aufgreifen würde, zumal die meisten Gewerkschaften die SPD drängten. Auch ohne den Abgang von Müntefering wäre das Thema auf der SPD-Agenda weiter gespielt worden, denn gerade Müntefering war es, der unermüdlich den Mindestlohn auf die Tagesordnung gesetzt hat, bevor Kurt Beck hier (s)ein Thema gefunden hatte.

Die unionsinternen Mindestlohngegner kritisieren eine populistische Gefälligkeitspolitik bei den Mindestlohnbefürwortern und übersehen dabei zielstrebig die „alte“ Forderung der christlichen Soziallehre, nach der „ein Arbeitslohn ausreichen muss für den Lebensunterhalt“. Das ist mit Löhnen von 5,00 Euro pro Stunde und weniger nun eben nicht zu machen. Und das Argument, dass wegen der Einführung von Mindestlöhnen die internationale Konkurrenzfähigkeit der bundesdeutschen Wirtschaft gefährdet würde, trifft nicht. Denn einen Wettkampf bei den Niedrigstlöhnen kann Deutschland nicht gewinnen. Es wird immer Länder geben, in denen noch niedrigere Löhne ausgezahlt werden. Obendrein blüht der Export und der Lohnanteil an den meisten Industrieprodukten nimmt kontinuierlich ab. Ein genereller Mindestlohn dagegen würde die heimische Kaufkraft und die Binnennachfrage stärken und staatliche Transferleistungen an Niedriglohnbezieher reduzieren. Das Argument, dass mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes viele Arbeitsplätze in das Ausland verlagert würden, hält einer genaueren Prüfung nicht stand, denn Dienstleistungen an Menschen und Institutionen lassen sich nicht ins Ausland verlagern.

Der CDU ist zu raten, schnell raus aus der Falle und somit aus der Defensive, damit wieder mehr Kraft und Zeit bleibt für gestalterische Politik.

Den „reinen“ Marktwirtschaftlern muss einleuchten, dass der Markt neben der unsichtbaren Hand auch ein sichtbares Herz braucht.  Spätestens seit der Bundestagswahl 2006 ist dies der CDU im Grundsatz auch klar. Denn sie hat 2006 auch deswegen schlechter als erwartet abgeschnitten, weil sie sich als sozial kalte Partei darstellte bzw. als solche vermittelt werden konnte.

In beiden neuen Grundsatzprogrammen von CDU und CSU, die vor wenigen Wochen verabschiedet wurden, ist an den entscheidenden Stellen sehr klar herausgearbeitet worden, dass Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik zwei Seiten der gleichen Medaille und nicht von einander zu trennen sind. Die CDU spricht sich in ihrem neuen Grundsatzprogramm deutlich und entschieden gegen die Sittenwidrigkeit von Niedrigstlöhnen aus, ohne sich bereits für die Einführung von Mindestlöhnen zu entscheiden. Das ist im Grund auch richtig, denn eigentlich ist die Lohnfindung vornehmste Aufgabe der Tarifpartner. Also müssten Arbeitgeber und Gewerkschaften mit ihren Tarifabschlüssen die notwendige, für den Lebensunterhalt ausreichende Lohnfestlegung treffen. Wo dies nicht geschieht, weil entweder Tarifabschlüsse zu niedrige Mindestbedingungen enthalten oder weil es Branchen ohne geregelte Tarifabschlüsse gibt, muss der Gesetzgeber wohl oder übel Lohnuntergrenzen festlegen. Wenn das freie Spiel der Kräfte soziale Verantwortung nicht wahrnimmt, ist es Aufgabe der Politik, den notwendigen Ordnungsrahmen zu setzen. Deshalb ist es sachlich geboten, gesetzliche Mindestlöhne festzulegen. Genauso wichtig ist es aber, durch eine vernünftige Bildungs- und Berufsbildungspolitik dafür zu sorgen, dass die Arbeitnehmer so ausgebildet sind, dass sie im Wettbewerb um gut bezahlte Arbeitsplätze bestehen können.

Josef Zolk, 58, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Flammersfeld, langjähriger Landesvorsitzender der CDU-Sozialausschüsse in Rheinland-Pfalz und kooptiertes Mitglied im CDA-Bundesvorstand, war Mitglied in der CDU-Grundsatzkommission.


03.01.2008 Tagespost-Interwiew mit Josef Zolk

Die CDU wird sich auf Mindestlöhne festlegen

Es ist unanständig, wenn jemand nicht von seiner Arbeit leben kann, meint Josef Zolk vom CDA-Bundesvorstand

Der Mindestlohn wird zu einem zentralen Wahlkampfthema werden. Johannes Seibel hat sich darüber mit Josef F. Zolk unter halten. Der hauptamtliche Bürgermeister der Verbandsgemeinde Flammersfeld ist kooptiertes Mitglied des Bundesvorstandes der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), ehemaliger Vorsitzender der CDA Rheinland-Pfalz und war Mitglied der Kommission, die das CDU-Grundsatzprogramm erarbeitet hat.

J. Seibel: SPD-Chef Kurt Beck versucht gerade, mit dem Mindestlohn Punkte zu machen. Nehmen Sie ihm die Ernsthaftigkeit ab, mit der er das Thema vertreten will?

J. Zolk: Zunächst einmal nehme ich jedem Politiker die Ernsthaftigkeit ab, der sich für den Mindestlohn einsetzt. Bei Beck ist aber das taktische Moment nicht zu übersehen, die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Merkel anzugreifen. Und Beck ist nicht der erste, der sich um das Thema kümmert. Schon seit eineinhalb Jahren hat die CDU in ihren Diskussionen zum Grundsatzprogramm und dann im Programm selbst gegen die Sittenwidrigkeit von Löhnen Position bezogen. Das sind Löhne, die dreißig und mehr Prozent unter Tariflöhnen liegen.

Zur Einführung von Mindestlöhnen hat sich die CDU aber nicht entschließen können.

Auf dem Bundesparteitag in Hannover ist darüber intensiv gestritten worden. Ich bin der Meinung, dass es der CDU gut getan hätte, sich damals schon ausdrücklich für Mindestlöhne irgendwo im Bereich von sieben Euro zu entscheiden. Aber ich bin überzeugt, dass es gar nicht mehr lange dauert, bis sich die Partei auf Mindestlöhne festlegt. Die CDU wird das lernen.

J. Seibel: Aber die CDU lehnte doch bisher das Instrument des Mindestlohnes ab...

J. Zolk: Man muss doch die Realität sehen. Die Tarifparteien, Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften, haben beide deutlich weniger Mitglieder als früher. Da sind flächendeckend vernünftige Tarifverträge schwerer auszuhandeln. Mir wäre es ja auch lieber, wenn die Tarifparteien Verträge vereinbarten, auf deren Grundlage diejenigen, die 38, 39 oder 40 Stunden arbeiten, mit ihren Familien gut leben könnten. Das muss der Maßstab sein. Schon 1891 hat der Reichstagsabgeordnete Georg Friedrich Dasbach des Zentrums im Anschluss an Papst Leo XIII. gefordert, dass, wer ordentlich arbeitet, auch seine Familie ernähren können soll. Das gehört zum christlichen Menschenbild und zur Tradition der CDU. Aber wenn das nicht funktioniert, dann muss der Staat eingreifen. Und wir sollten auch wieder darüber nachdenken, wie wir die Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften stärken können.

J. Seibel: Auch wenn das wie beim Post-Mindestlohn Entlassungen zur Folge hat?

J. Zolk: Das passt hier nicht ganz rein. Der Post-Mindestlohn von 9,80 Euro dient nämlich der Absicherung der Monopolstellung der „Gelben Post“ gegen neue Konkurrenten. Dass ein Mindestlohn nicht zum Arbeitsplatzabbau führt, zeigt doch vielmehr die Tatsache, dass schon in mehr als zwanzig EU-Staaten ein Mindestlohn gilt.

J. Seibel: Ist es aber nicht besser, wenigstens einen Arbeitsplatz zu haben, wenn auch schlecht er bezahlt, anstatt von Hartz IV leben zu müssen?

J. Zolk: Noch einmal: Es ist unanständig, wenn jemand, der ordentlich arbeitet, nicht davon leben kann. Und es ist auch unanständig, dass jemand nur zu einem solchen Gehalt kommen kann, wenn der Staat Zuschüsse gibt. Die Sache mit dem Kombilohn ist zweischneidig. Solche Instrumente, siehe Vorruhestand, führen nur zur Versuchung, das System auszunützen.

Quelle: Tagespost vom 03.01.2008, Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur


11.01.2007 Artikel in RZ

Pressemitteilung

Kein neuer Name des Kreises Altenkirchen

Ich halte eine Diskussion um einen neuen Namen unseres Landkreises für völlig überflüssig und bin für die Beibehaltung des bisherigen Namens. Bei aller Wertschätzung der Persönlichkeiten, die jetzt eine Namensdiskussion für richtig halten, lehne ich derartige Überlegungen ab. Weder gibt ein neuer Name einen zusätzlichen Identitätsschub noch löst ein neuer Name irgendwelche Probleme. Es entstünden nur zusätzliche Kosten. Hinzukommt: Die Rhein-Zeitung berichtet am 30.12.2006, dass die Landesregierung darüber nachdenkt, Landkreisgrenzen zu ändern. Da stehen also andere Aufgaben an, als Namen zu verändern, sonst ist der Name verändert – aber der Kreis ist weg.

Josef Zolk


24.11.2006 Artikel in RZ

Arge-Träger wählte Vorstand

Dietmar Schumacher, Josef Zolk und Bodo Nöchel im Amt - 2007 sollen Ausgaben und Arbeitslosigkeit im Kreis weiter sinken

Die positiven Nachrichten in Sachen Arbeitsmarkt mehren sich, auch im Kreis Altenkirchen gibt es positive Ansätze. Das vermeldete die Arge-Geschäftsführung bei der Trägerversammlung, bei der auch ein neuer Vorstand gewählt wurde.

KREISGEBIET. Bei der jüngsten Sitzung der Arge-Trägerversammlung standen Vorstandswahlen der kommunalen Vertreter auf dem Programm. Zum Vorsitzenden wurde unter Wahlleitung von Landrat Michael Lieber der Kreisbeigeordnete Dietmar Schumacher gewählt, er tritt damit die Nachfolge des ehemaligen Landrats Dr. Alfred Beth an. Schumachers Stellvertreter ist der Flammersfelder Bürgermeister Josef Zolk, Vorgänger auf diesem Posten war Karl-Ernst Starfeld, Leiter der Agentur für Arbeit Neuwied. Dritter Vertreter des Kreises bleibt Sozialamtsleiter Bodo Nöchel. Ebenfalls drei Vertreter entsendet die Agentur Neuwied. Die Amtszeit läuft bis Ende 2009.

Nötig wurden die Wahlen aufgrund der Veränderungen in der Leitung der Kreisverwaltung, die sich durch das Ausscheiden Beths am 13. September und der Wahl Liebers zum neuen Landrat ergeben hatten. Schumacher hatte dabei bereits ab dem 14. September die Arbeit Beths übernommen und wurde nun auch offiziell gewählt.

Weniger Langzeitarbeitslose
Neben den Wahlen standen positive Nachrichten im Mittelpunkt des Treffens. Aus den drei Job-Centern im Kreis konnten seitens der Arge-Geschäftsführung Arnold Wertmann und Heiner Kölzer vermeldet werden, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Oktober kreisweit auf 3090 Männer und Frauen gesenkt werden konnte. Das sind 150 Menschen weniger als im vergleichbaren Vorjahresmonat. Ebenfalls sank die Zahl der Haushalte, die Geldleistungen nach Arbeitslosengeld II beziehen, von 4373 im Oktober 2005 auf 4189 im Oktober dieses Jahres. Bei der Höhe der Geldleistungen wird die Arge ihre Zielvereinbarungen einhalten können. Insgesamt waren im Oktober 5251 Männer und Frauen arbeitslos, das sind 625 Menschen weniger als im Vorjahresmonat. Im Vergleich zum Vorjahr wurden aber auch 25 Prozent weniger Arbeitssuchende zu einer bezahlten Beschäftigung geführt.

Aufgrund der positiven Ergebnisse der Vergangenheit hat die Trägerversammlung für das kommende Jahr ambitionierte Zielvorgaben beschlossen. Dieses Jahr werden laut Prognose 1609 Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt integriert, im kommenden Jahr soll die Anzahl um fünf Prozent auf 1665 Männer und Frauen gesteigert werden können.

Jugendlichen helfen
Ebenfalls um fünf Prozent gesteigert werden soll die Zahl der in den Arbeitsmarkt integrierten Jugendlichen unter 25 Jahren, dieses Jahr werden es laut Prognose 475 junge Männer und Frauen sein. Die Trägerversammlung war sich einig, in der nächsten Sitzung einen Schwerpunkt auf die Überwindung der Jugendarbeitslosigkeit zu legen.

Nicht nur die Arbeitslosenzahlen, auch die Ausgaben der Arge sollen 2007 reduziert werden. Aufgrund der strengeren gesetzlichen Neuregelungen bei Jugendlichen und eheähnlichen Gemeinschaften sowie Sanktionen ist eine Senkung der Leistungsausgaben um vier Prozent auf rund 34 Millionen Euro anvisiert. "Bisher mussten wir eheähnliche Gemeinschaften nachweisen, jetzt ist die Beweislast umgekehrt, es gibt objektive Kriterien. Das hat im zweiten Halbjahr Wirkung gezeigt. Wir denken, dass wir daher 2007 weiter einsparen können", erklärt Wertmann.

Weitere gute Nachrichten gab es bei der Überprüfung der Institutionen, die im Auftrag der Arge sogenannte Ein-Euro-Jobs durchführen. Unter den Gesichtspunkten der Qualifizierung und der Verträglichkeit mit dem ersten Arbeitsmarkt gab es keine Beanstandungen. Die Qualitätsüberprüfung von Arbeitsmarktmaßnahmen wird fortgeführt.
Quelle: RZ-Online Artikelarchiv vom 30.11.2006 www.rz-online.de


30.11.2006 Artikel in RZ

Ludwig-Windhorst-Preis für Dr. Theo Zwanziger

Die Sozialausschüsse der CDU (CDA) haben in Bad Ems den Präsidenten des Deutschen Fußballbundes, Dr. Theo Zwanziger (2. von rechts), für sein sozial- und sportpolitisches Engagement mit dem Ludwig-Windhorst-Preis ausgezeichnet. Der Ludwig-Windhorst-Preis wird vom CDA-Kreisverband Rhein-Lahn an bedeutende regionale Persönlichkeiten vergeben, die sich sozial engagieren. Der CDA-Landesvorsitzende Josef Zolk (links) überreichte die Urkunde im Beisein des Bad Emser Stadtbürgermeisters Otmar Canz (2. von links) und des CDA-Kreisvorsitzenden Martin Gerhardt (rechts). In seiner Dankensrede beschrieb Zwanziger die großartige Funktion des Fußballs als wichtige integrative Chance in Stadt und Land und den Sport generell aus sozialen, moralischen und medizinischen Gründen als unverzichtbaren Wert für die Gesellschaft. Gerhardt machte deutlich, dass Zwanziger sich mit dieser Ehrung hinter ausgezeichneten Persönlichkeiten wie Pater Prof. Heinrich Hamm SAJ (Vallendar), dem Unternehmer Robert Wolff, dem langjährigen Betriebsratsvorsitzenden bei Leifheit, Wolfgang Schön, und dem im Februar verstorbenen Staatsminister Rudi Geil einreiht.

Quelle: RZ-Online Artikelarchiv vom 30.11.2006 www.rz-online.de


24.11.2006 Artikel in RZ

Hohes "C" für die Zukunft der Union

Josef Zolk zur Diskussion um das neue Grundsatzprogramm der CDU

Die CDU diskutiert derzeit über ihr neues Grundsatzprogramm, das der Bundesparteitag Ende 2007 beschließen soll. "Das ,C' muss grundlegende Orientierung für das politische Handeln bleiben", fordert dabei unser Gastautor, der Landesvorsitzende der CDU-Sozialausschüsse Josef Zolk. Als Mitglied der Grundsatzprogrammkommission macht er sich dafür stark, dass "politisches Handeln aus christlicher Verantwortung" die Leitlinie der Union bleibt.

"Wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zu Rande", schreibt Johann Wolfgang von Goethe in Maximen und Reflexionen. Das sollte der CDU als Maxime für ihre Programmdiskussion dienen. Denn die CDU muss sich mit ihrer Grundsatzprogrammdiskussion über den weiteren Weg klar werden.

Das "C" muss grundlegende Orientierung für das politische Handeln bleiben; die CDU bekennt sich ausdrücklich zum christlichen Menschenbild. Christliche Verantwortung macht jedes politische Handeln rechenschaftspflichtig vor Gott und den Menschen. Gleichzeitig muss die CDU auch Antworten finden für Mitglieder, die keiner christlichen Kirche angehören. Die bindende Klammer dabei ist, die Würde und Freiheit aller Menschen zu achten.

Die Ehe besonders schützen
Wichtige Themen sind unter anderen Familie und Bildung. Bei allem Respekt vor der Vielfalt der Lebensformen ist die Ehe auch heute eine herausgehobene und im besonderen Sinne auch schützenswerte Lebensform.

Alle wissen: Wir haben zu wenige Kinder in Deutschland. Deutschland ist auf dem Weg, eine kinderarme und damit eine zukunftsarme Gesellschaft zu werden. Man kann den Eindruck gewinnen, dass ein Teil des Bewusstseins dafür verloren geht, dass Kinder das Leben reicher, fröhlicher, optimistischer und offener machen. Die CDU muss dafür Sorge tragen, dass die Zukunft von Familien und Kindern gesichert ist. Deshalb ist es ebenso richtig, das bisherige Ehegattensplitting zu einem Familiensplitting zu erweitern wie ein aufeinander abgestimmtes und flächendeckendes Netz an guten Betreuungsangeboten aufzubauen.

Bildung muss die Kinder schon möglichst früh fördern und in ihrer Entwicklung unterstützen. Unser Bildungssystem muss die faire Chance geben, dass Kinder sich unabhängig ihrer sozialen Herkunft gemäß ihren Fähigkeiten entwickeln können. Bildung ist Menschenrecht und soziale Teilhabe. Deshalb ist das Bildungssystem in allen Bereichen zu verbessern: Das gilt vom Kindergarten bis zum lebenslangen Lernen. Das gilt für das Studium wie für die berufliche Bildung. Dort, wo das duale System der beruflichen Bildung nicht ausreichend genug greift, sind andere Wege der Berufsausbildung notwendig. Denn ohne berufliche Ausbildung haben die jungen Menschen keinen Schlüssel zur Tür für berufliche Chancen.

Demografische Entwicklung, Globalisierung und Individualisierung veränderten und verändern die Gesellschaft; sie dürfen aber nicht als Vorwand dienen für einen grundsätzlichen Politikwechsel der CDU. Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität müssen weiterhin die Grundpfeiler unserer Politik bilden, ihr ausgewogenes Verhältnis untereinander wird entscheidend dafür sein, ob die CDU genügend Vertrauen bei den Menschen bildet, um Wahlen zu gewinnen. Eine Verneigung vor dem neoliberalem Zeitgeist, der den Menschen vergisst, wäre gleichbedeutend mit dem Ende der Volkspartei CDU.

In einer Zeit großer Änderungen wird die CDU die Menschen nur überzeugen, wenn sie verlässlich ist und den Menschen Sicherheit gibt. Voraussetzung dazu ist, dass die CDU sich die Auswirkungen ihrer Politik auf den Einzelnen bewusst macht.

Ausgleich der Interessen
Die CDU muss darauf achten, dass im Grundsatzprogramm die Balance zwischen wirtschaftlichen und sozialen Interessen, zwischen individueller und wirtschaftlicher Freiheit, zwischen persönlicher und gesellschaftlicher Verantwortung verankert wird. Die Erfordernisse der Wirtschaft und die Sicherheitsbedürfnisse der Menschen müssen in Einklang stehen.

Wir bekennen uns ausdrücklich zur Sozialen Marktwirtschaft. Sie verbindet den freien Markt, den Wettbewerb und die Teilhabe am wirtschaftlichen Leben mit einem gerechten und sozialen Ausgleich. Soziale Marktwirtschaft setzt weder auf die Allmacht des Marktes noch auf die Allmacht des Staates, sondern auf einen Ausgleich durch verlässliche Ordnungspolitik. Die CDU muss sich den ökonomischen Fragen in gleichem Maße widmen wie den sozialen. Die CDU muss die Wirtschaft fördern und sie muss die Partei des sozialen Ausgleichs und der Schwachen sein. Nur dann behält sie ihren Charakter als Volkspartei und ihre christlich-demokratische Identität, nur dann ist sie Partner der Jungen und der Alten. Dies ist die Voraussetzung für die Mehrheitsfähigkeit der CDU, denn "wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zu Rande".

Quelle: RZ-Online Artikelarchiv vom 24.11.2006 www.rz-online.de

 

© www.1alles.de, Josef Zolk - Bürgermeister a. D. der Verbandsgemeinde Flammersfeld

www.josef-zolk.de